Krieg und Propaganda - Hamburg

Die Wahrheit ist das erste Opfer

Mit über 400 Plakaten, Grafiken, Fotografien, Illustrationen und Filmen präsentiert das Museum für Kunst und Gewerbe Weltkriegspropaganda, ohne die historischen Hintergründe zu erklären.

Noch 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs finden Schüler in ihren Geschichtsbüchern Fotos von winkenden Soldaten in Eisenbahnwaggons und jubelnden, blumenwerfenden Frauen und Kindern im Zuge der deutschen Mobilmachung.

Die Botschaft ist eindeutig: Die Deutschen waren begeistert vom Krieg; das sogenannte "Augusterlebnis" – ein wahres Highlight!

Diese einseitige, aber langzeitwirkende Betrachtungsweise ist ein Ergebnis der Massenpropaganda, deren kommunikative und künstlerische Strategien im Ersten Weltkrieg entwickelt wurden. Ausgehend von über 400 Plakaten, Künstlergrafiken, Bildpostkarten, Fotografien, Illustrationen, Filmen und Alltagsgegenständen durchleuchtet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg nun systematisch die Propagandamethoden der einzelnen Kriegsparteien.

Schon in dem 1895 veröffentlichten Buch Psychologie der Massen untersuchte der französische Arzt Gustave Le Bon Merkmale der Massenseele und Möglichkeiten, diese zu beeinflussen. Seine Empfehlung: klare Motive und knapp formulierte Botschaften für die Bevölkerung, die vor allem für Emotionalität, Suggestion und Einzelschicksale anfällig ist. Eine einfache Formel, die die Kriegsstaaten im Ersten Weltkrieg auf unterschiedlichste Weise interpretierten und damit sowohl positive Stimmung bezüglich des Krieges erzielten als auch scheiterten (nachdem in Großbritannien etwa nicht genug Freiwillige mittels Plakaten rekrutiert werden konnten, wurde 1916 die Wehrpflicht eingeführt).

Über Plakate, Geschirr und Alltagsgegenstände mobilisierten die Staaten ihre Bevölkerung. Überzeugung und Abschreckung gingen dabei Hand in Hand. Während fröhliche Plakate mit Pfadfinderästhetik die jungen Briten überzeugen sollten, den Krieg als Abenteuer anzusehen, trugen Schlagworte wie "Der Kaiser, die Bestie von Berlin" zur Verunglimpfung des Deutschen Reiches bei. Als wichtigste Innovation innerhalb der Kriegspropaganda galt der Einsatz von modernen Medien wie dem Film und der Fotografie. Im sehr gelungenen Filmraum der Ausstellung zeigen 15 Screens sowohl aneinandergereihte Bilder fröhlicher Soldaten als auch dokumentarische Kriegsberichterstattung und verraten dabei viel über die Bedeutung des vermeintlich authentischen Mediums Film zur Täuschung der Bevölkerung.

Die Ausstellung stilisiert die Propaganda zu einer neuen großen Kriegswaffe. Schade nur, dass dabei geschichtliche Zusammenhänge unerklärt bleiben: Das Attentat von Sarajevo oder die Schlacht um Verdun spielen lediglich als Propagandamotiv eine Rolle.

Krieg und Propaganda 14/18

Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, bis 20.11.2014
http://www.mkg-hamburg.de/de/ausstellungen/aktuell/krieg-und-propaganda-1418.html