Abschied von Ikarus - Weimar

Aufräumen mit DDR-Klischees

Nach der Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne", die 1999 stattfand, wird in Weimar erneut DDR-Kunst präsentiert, diesmal als Teil eines großangelegten Forschungsprojekts.

Die ehrgeizige Überblicksschau zur Kunst der DDR umspannt die Jahrzehnte zwischen 1945 und 1989 und versucht gleichzeitig einen Abschied von allen Missverständnissen, die die einstige ostdeutsche Kunstproduktion bis heute begleiten.

Spätes­tens seit der umstrittenen Präsentation "Aufstieg und Fall der Moderne" 1999 eignet sich Weimar wie keine zweite deutsche Stadt als Symbolort für ein solches Unterfangen. Die damalige Aufspaltung von DDR-Kunst in "schlechte", staatstragende und "gute", ideologieferne Werke ließ keinerlei Zwischentöne zu. Jetzt will ein Kuratorenteam um Karl-Siegbert Rehberg, Paul Kaiser, Wolfgang Holler, Ulrike Bestgen und Eckhart Gillen mit den alten Klischees aufräumen. Dabei ist "Abschied von Ikarus" nur Teil eines mehrjährigen Forschungsprojekts, bei dem etwa 160 Museen, Bilderdepots, Unternehmens- und Privatsammlungen untersucht wurden. Ein Teil der Funde wird nun in Weimar gezeigt, klug ergänzt um Arbeiten unangepasster Künstler wie Gabriele Stötzer, Cornelia Schleime, Hermann Glöckner oder Carlfriedrich Claus.

Die brisante Nachbarschaft zu staatstragenden Gemälden von Willi Sitte oder Werner Tübke wird durch Themencluster wie "Technokratische Utopie" oder "Sozialistischer Realismus" wissenschaftlich aufgefangen. Immer wieder spielt dabei die mythologische Figur des Ikarus zwischen Höhenflug und Scheitern eine Rolle – etwa in Werken von Hans-Hendrik Grimmling und Wolfgang Mattheuer. Ikarus’ Ambivalenz entzieht sich jeglicher Schwarzweißmalerei und bildet 2012 hoffentlich einen würdigen Schlusspunkt hinter den deutsch-deutschen Bilderstreit.

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