Gute Aussichten - Deutscher Foto-Nachwuchs

Neue Köpfe, neue Strömungen

Die Gewinner stehen fest, die Ausstellung ist eröffnet: Bereits zum vierten Mal zeigt der Nachwuchswettbewerb "gute aussichten" die Arbeiten begabter junger Fotografen – das Kölner Forum für Fotografie ist die erste von vier Stationen.
Die Gewinner 2007/2008:Gewinner des Projekts "gute aussichten" stehen fest

Catrin Altenbrandt und Adrian Niessler, Hochschule für Gestaltung Offenbach, "Um was es nicht geht" (2007, Rauminstallation/Fotografien, 11 C-Prints je 86 cm x 57 cm):

"Die Arbeit ist ein Experiment. Die Vorraussetzungen für dieses Experiment waren ein Raum und alle Dinge die sich in diesem Raum befanden, zwei Personen, ein fester Zeitrahmen und der Plan jeden Tag ein Bild entstehen zu lassen. Der Raum, die Dinge in dem Raum und die Zeit bildeten die Konstanten des Experiments – die Variable waren die beiden Personen." (www.guteaussichten.org)

Einmal im Jahr können Studenten ihre Abschlussarbeiten aus dem Fachbereich Fotografie einreichen. Die besten Beiträge sucht eine fünfköpfige Jury aus: die Initiatorin Josefine Raab (Wiesbaden), die Leiterin der Kunstsammlung DZ Bank Luminita Sabau (Frankfurt/Main), der international erfolgreiche Fotograf Thomas Demand (Berlin), der Kurator des Hauses der Photographie, Deichtorhallen, Ingo Taubhorn (Hamburg) und Art Director Mario Lombardo (Köln).

10657
Strecken Teaser

Josefine Raab zur diesjährigen Auswahl: "Es gibt erkennbare Trends, aber keine große Richtung. Jeder "gute aussichten"-Jahrgang spiegelt mehr oder weniger starke Strömungen und Stilelemente wider. In den letzten zwei Jahren beobachteten wir verstärkt Grenzgänge der Fotografie in andere Medien wie Film, Theater und Performance, medienkritische Auseinandersetzungen, Inszenierung und Selbstbefragungen, Raum und Landschaftsfotografie. Im Jahr der Documenta XII tauchen zum ersten Mal verstärkt soziale, kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen in der jungen deutschen Fotografie auf, was in der diesjährigen Auswahl einen deutlichen Niederschlag gefunden hat.“

Derzeit sind im Kölner Forum für Fotografie die Werke von den elf Gewinnern zu sehen, die die Jury aus insgesamt 83 Einsendungen ausgewählt hat. Gezeigt werden über 200 einzelne Motive, vier Bücher, zwei Rauminstallationen, zwei DVDs, zwei Magazine und eine Zeitung. Neben der Teilnahme an der prominenten Wanderschau gibt es für die Elf auch noch mehr Grund zur Freude: Sie dürfen nächstes Jahr nach Cannes zu den Sony World Photography Awards – denn Sony unterstützt das Projekt seit Juli 2007. Dort können sie mit Profis und Branchengrößen diskutieren und anfangen, das heutzutage wohl unerlässliche Kontakt-Netzwerk zu spinnen.

Die Gewinner – in alphabetischer Reihenfolge

Zwei Personen in einem Raum, verschiedene Requisiten und das Vorhaben, jeden Tag ein Bild entstehen zu lassen: Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler, die bereits seit geraumer Zeit gemeinsame Projekte realisieren, waren für ihre Arbeit "Um was es nicht geht" die Versuchspersonen ihres eigenen Experiments. Das Ergebnis ist ein bunter Mix aus Fotografie, Typografie und Installation, in dem sich kreative Spielfreude und spontane Eingebung mit einem ausgeprägten Formwillen auf das Beste vereinen.

Annette Grotkamp begibt sich in ihrer Serie "innerwald" in Räume künstlicher oder kultivierter Natur, in denen sie die klaren Grenzen zwischen innen und außen, zwischen realer und erschaffener Landschaft aufhebt zugunsten poetischer, naturhafter Kompositionen, in denen der Betrachter ohne Bezug zu Zeit und Raum zu schweben scheint.

Jon Adrie Hoekstra betätigte sich für seinen "Nachtrecorder" zunächst als Nachtreporter, der über einen bestimmten Zeitraum zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens die Vorgänge auf einer Hauptverkehrsstraße in Münster/Westfalen in Wort und Bild festhielt. Das Aufgezeichnete wurde den Anwohnern als Ausstellung präsentiert und als Zeitung herausgegeben, womit das Geschehene wieder in die Gemeinschaft zurückgetragen wurde.

Margret Hoppe beschäftigt sich in "Die verschwundenen Bilder" mit Kunstwerken in der ehemaligen DDR und damit, was nach dem Fall der Mauer mit diesen kulturellen Hinterlassenschaften geschah und noch geschieht.

Andrej Krementschouk spürt in "An Deinem Haus" in melancholischen Bildern seiner alten, vom Verschwinden bedrohten Heimat in einem russischen Dorf nach und stellt damit die immer wieder aktuelle Frage nach Erinnerung und Verlust, nach emotionaler Verwurzelung und kultureller Identität.

Belaid le Mharchi unternimmt in "Portraits #1-#5" den Versuch, eine bildliche Übersetzung für jenes Grauen zu finden, das der Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki sowohl bei den Betroffenen als auch in der Welt hinterlassen hat.

Agata Madejska erkundet in "kosmos" die Welt der Spielplätze und lässt dabei magische Orte und Bilder entstehen, die den Betrachter in eine längst vergessene Welt der Kindheitsträume entführen.

Caterina Micksch bannt in "Gretchen" mit fast lapidarem Blick Orte ins Bild, an denen im Jahr 2006 getötete Säuglinge aufgefunden wurden. Wie in den Porträts von Belaid le Marchi erzeugt auch hier die dokumentarische Sachlichkeit der Bilder erst im Kontext mit dem Wissen um das Geschehen das grausige Entsetzen.

Jörg Obernolte unternimmt in "Vater Land und Mutter Erde" eine 778 Kilometer lange Reise auf der Bundesstraße 1 von West nach Ost, die er in einem fotografischen Reisetagebuch dokumentiert und kommentiert.

Christian Tiefensee begibt sich in "Refugium" auf eine Reise ins Innere – in jenes seelische Gefüge, das als offene, bewegliche und ambivalente Struktur die Grundlage menschlicher Existenz abbildet.

Ausstellungsstationen

KÖLN: Forum für Fotografie, 26. Oktober 2007 bis 16. Dezember 2007; HAMBURG: Haus der Photographie / Deichtorhallen, 17. Januar 2008 bis 24. Februar; BURGHAUSEN: Haus der Fotografie, März bis 4. Mai; BERLIN: Martin-Gropius-Bau, 16. Mai bis 14. Juli

http://www.guteaussichten.org/