Leonardo da Vinci Ausstellung

Mit ohne Lisa

Es ist eine Ausstellung der Superlative, wie sollte es bei Alleskönner und Renaissance-Meister Leonardo da Vinci auch anders sein. Nur die Mona Lisa fehlt in Mailand
Alle außer Mona:Leonardo Da Vinci im Palazzo Reale

Michelangelo: "Cleopatra", um 1533, Kohle auf Papier

Göttlich sei er gewesen, schrieb Giorgio Vasari 1568 in seiner Biografie über Leonardo da Vinci und gab damit den Ton vor, der bis heute angestimmt wird, wenn von dem Renaissance-Meister die Rede ist. Als Maler war er zu Lebzeiten eine Legende. Seine wissenschaftlichen Studien fanden erst im 19. Jahrhundert Anerkennung, nachdem es gelungen war, seine Geheimschrift zu entziffern. Leonardo hat Festungsanlagen, Flugapparate und Maschinen zur Automatisierung der Seidenspinnerei entworfen. Die Ausstellung zeigt einige funktionsfähige Modelle wie den "Carro Semovente", der mit seinen aufziehbaren Blattfedern wie ein Spielzeugauto von heute funktioniert.

Leonardo bot 1482 dem Regenten von Mailand, Ludovico Sforza, seine Dienste als Militärfachmann an. In seinem berühmten Bewerbungsschreiben zählt er eine Reihe seiner Erfindungen auf, wie einen Panzer und zerlegbare Brücken. "Sollte es auf dem Meer zum Kampfe kommen", hatte er auch dort Lösungen parat, von der Malerei spricht er aber nur am Rand: "… ebenso fertige ich Gemälde an." So war das in der Renaissance: Man erwartete von einem Künstler, dass er Madonnenbilder beherrschte und zugleich etwas zur Besserung der Müllabfuhr ersann.

Einer der Publikumslieblinge: "Das letzte Abendmahl"

Acht Jahre lang hat Leonardo an Entwürfen für ein Reiterdenkmal "dem Hause Sforza zu ewiger Ehre" gearbeitet, bis sein Auftraggeber die Geduld verlor und die berechneten 100 Tonnen Bronze schließlich dem Guss von Kanonen verschrieb. Die Ausstellung geht dem Sforza Cavallo ausgiebig nach, mit Stichen, Reliefs und kleinplastischen Modellen antiker Vorlagen für Reiterdenkmäler und einer Reihe von Pferdestudien. Eine der Kostbarkeiten der Ausstellung ist die 24 Zentimeter hohe Bronzestatuette eines sich aufbäumenden Pferds, spätere Skizzen zeigen ein Standbild in maßvoller Gangart.

Tausende gezeichnete Studien haben überdauert, etliche konnten aus den bedeutendsten Sammlungen der Welt entliehen werden. Die wohl bekannteste, die Proportionsstudie nach Vitruv, kommt aus der Galleria dell’ Accademia aus Venedig, dazu die erste reine Landschaftszeichnung der europäischen Kunstgeschichte aus dem Jahr 1473.

Viele Gemälde haben bei der Leonardo-Show ihren Auftritt, nicht dabei: die Mona Lisa, dafür Bilder von Wegbegleitern und Nachfolgern. Einer der Publikumslieblinge, "Das letzte Abendmahl", ist nach jahrzehntelanger Restaurierung in einer Videopräsentation zu sehen – bis zum Original im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie sind es nur ein paar Schritte.

Leonardo – 1452-1519

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juli 2015 im Palazzo Reale in Mailand zu sehen.
http://www.skiragrandimostre.it/leonardo/