Candida Höfer - Museum Morsbroich

Strenge und Diskretion

So eindrucksvoll wurden die Arbeiten der Fotografin Candida Höfer selten präsentiert: Ein eigens gestalteter Ausstellungsparcours führt durch alte und neue Projekte. Die Welt ist da, um angesehen und fotografiert zu werden.

Die Welt ist da, um angesehen und fotografiert zu werden. In diesem Glauben lichteten schon Eugène Atget und später Walker Evans Schaufenster und Reklametafeln ab, doch erst Candida Höfer erkannte das ganze Potenzial dieser nicht nur berufsbedingten Weltanschauung.

Sie richtet die Kamera auf Museumshallen, Verkaufsvitrinen und türkische Tante-Emma-Läden, sie fotografiert Staatsarchive, die Niederländische Botschaft in Berlin oder Flipperbuden im Kölner Kiez. So unterschiedlich diese Innenräume sind, sie gleichen sich darin, dass sie für unsere Augen hergerichtet wurden – um uns zu verführen, zu leiten und zu belehren. Meistens sind Höfers Aufnahmen menschenleer, und doch fragt man sich ständig, was sagen diese Räume über ihre Gestalter und Besucher aus?

Eine der großen Qualitäten Candida Höfers ist ihre Diskretion. Ihre Bilderserien platzen nicht mit Antworten heraus, sondern sammeln Indizien. Über den trostlosen Illusionismus zoologischer Tiergehege, über die Selbstgenügsamkeit eines modernistischen Botschaftsbaus oder die kleinen Fluchten in der Spielhölle von nebenan. Das alles ist im Grunde bekannt, wurde einem allerdings selten so eindrucksvoll vorgeführt wie derzeit im Museum Morsbroich (Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König, 30 Euro, im Buchhandel 38 Euro). Hier haben die Berliner Architekten Kuehn Malvezzi einen Ausstellungsparcours gebaut, der den Vorführeffekt von Höfers Bildern aufgreift und für jede Werkgruppe eine andere Präsentationsform schafft.

Die Bilder aus der frühen Reihe "Türken in Deutschland" sind ihrem beinahe privaten Charakter angemessen als Diaschau zu sehen, während die C-Prints ihrer neuesten Arbeit "On Kawara" in ihren Vitrinen kostbaren Inkunabeln ähneln. Auch das passt, weil Höfer die berühmten Date-Paintings des Malers in den Räumen ihrer Sammler aufgenommen hat. Es ist geradezu kurios, wie sich der aufs Wesentliche reduzierte Stil Kawaras erst in den abgebildeten Interieurs, dann auf Höfers wie beiläufig erscheinenden und doch strengen Arrangements fortsetzt, um sich schließlich auch in der Leverkusener Ausstellungsarchitektur auszubreiten. Alles ist aus einem Guss und unbedingt dazu da, um angesehen zu werden.

"Projects done: Eine Ausstellung von Candida Höfer mit Kuehn Malvezzi"

Termin: bis 2. August, Museum Morsbroich, Leverkusen
http://www.museum-morsbroich.de/