Falckenberg - Hamburg

Vorläufiges Happy End

Nach zähem Ringen ist es offiziell. Die Sammlung Falckenberg ist ab heute Teil der Deichtorhallen Hamburg – als Dauerleihgabe bis zum Jahr 2023
Endlich:Sammlung Falckenberg wird Teil der Deichtorhallen

Sammler Harald Falckenberg (links) und Dirk Luckow, Direktor der Deichtorhallen

Den Protagonisten war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Bei der Pressekonferenz in den Harburger Phoenix-Hallen, die den offizellen Startschuss der Kooperation zwischen Deichtorhallen und Sammlung Falckenberg markierte, lächelten Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow und Sammler Harald Falckenberg verzückt. Und selbst der viel kritisierte Kultursenator Reinhard Stuth war zu Scherzen aufgelegt.

Kein Wunder, kann er sich doch zwei Tage vor dem Ende seiner kurzen, glücklosen Amtszeit noch einen sensationellen Erfolg ans Revers heften: den dauerhaften Zusammenschluss der größten städtischen Ausstellungshalle mit dem wichtigsten Privatsammler Hamburgs.

Der Kooperationsvertrag zwischen der Stadt, den Deichtorhallen und der Stiftung Falckenbeg ist zunächst auf 13 Jahre festgelegt. Harald Falckenbergs rund 2000 Stücke umfassende Kunstsammlung wird zur Dauerleihgabe und seine 6000 Quadratmeter großen Ausstellungsräume in dem Harburger Fabrikareal zur Dependance der Deichtorhallen. Damit vergrößern die Deichtorhallen ihre Schaufläche auf über 10 000 Quadratmeter und können sich zumindest flächenmäßig nun mit internationalen Ausstellungshäusern wie der Tate Modern in London oder dem Palais de Tokyo in Paris messen. Zur Finanzierung der Betriebskosten erhalten die Deichtorhallen von der Stadt zusätzlich 500 000 Euro pro Jahr, sowie weitere 70 000 Euro für eine zusätzliche Kuratorenstelle und ein Volontariat. Harald Falckenberg wiederum verpflichtet sich, eventuell darüber hinaus gehende Kosten zu übernehmen. Die Öffnungszeiten der Sammlung in Harburg werden ausgeweitet, allerdings wird es auch in Zukunft bei geschlossenen Führungen mit Voranmeldung bleiben.

Das größte Wunder dieser Kooperation aber ist, dass sie überhaupt zustande kam. Obwohl Falckenberg seit Jahren signalisierte, dass er seine Sammlung gern an ein städtisches Museum anbinden würde, verliefen die Verhandlungen zäh und standen mehrfach fast vor dem Aus. Erschwerend kam hinzu, dass kurz vor Vertragsabschluss Hamburgs Bürgermeister und die Kultursenatorin zurücktraten und kurze Zeit später die gesamte Regierungskoalition zusammenbrach. Es darf wohl als einer der seltenen Verdienste des Interims-Kultursentators Stuth gelten, dass er noch vor den Neuwahlen der zerstrittenen Bürgerschaft die Zustimmung für die Mittelerhöhung des Kulturetats abrang.

Die Kooperation verschafft Deichtorhallen-Chef Luckow neue Spielflächen und kreative Spielmöglichkeiten mit einer erstklassigen, aber auch sehr eigenwilligen Sammlung zeitgenössischer Kunst. Er sieht darin eine "historische Chance" und ein "vorläufiges Happy End". Das Aussstellungsprogramm für 2011 steht bereits fest. Dazu gehört die Einrichtung eines ständigen Raums für Hanne Darboven (ab 30. April) in den Phoenix-Hallen, eine Ausstellung der New Yorker Malerin Marilyn Minter (30. April bis 12. Juni) und eine Schau über den Elektropop-Pionier Dieter Meier (25. Juni bis 4. September). Parallel dazu wird im Sommer in den Deichtorhallen eine Gegenüberstellung der Sammlung Falckenberg und der Sammlung Olbricht präsentiert.

Den Auftakt bildet die Schau „Captain Pamphile“, eine Gruppenausstellung mit Werken von 63 Künstlern, die sich von dem gleichnamigen Abenteuerroman aus dem Jahr 1839 von Alexandre Dumas inspirieren ließen. Die Idee dazu stammt von zwei Berliner Künstlern, Gunter Reski und Marcus Weber, die die Harburger Hallen in einen dreidimensionalen Pop-Up-Bildroman verwandelt haben, einschließlich Textzitaten und Hörbuchschnipseln. Eine unkonventionelle Ausstellung und damit so recht nach Harald Falckenbergs Geschmack. Tatsächlich hatte der Sammler Reski und Weber mit ihrem schrägen Konzept eingeladen, bevor die Kooperation unter Dach und Fach war. Jetzt läuft sie unter der neuen Hausmarke, die auch schon die Eingangstür der Phoenix-Halle ziert: „Deichtorhallen Hamburg – Sammlung Falckenberg“. In Zukunft sollen alle Ausstellungskonzepte unter der kuratorischen Leitung der Deichtorhallen stehen. Dass sich Harald Falckenberg ganz aus dem Ausstellungsmacher-Geschäft verabschiedet, ist indess nicht zu erwarten. „Dafür habe ich noch zu viele Ideen im Kopf“, schmunzelt er am Ende der Pressekonferenz. Wir sind gespannt.

Captain Pamphile

bis 10. April
http://www.deichtorhallen.de/697.html