Banks Violette - Wien

Wenn die Möbel Feuer spucken:

Düstere Installationen und Street Photography des Metal-Minimalisten Banks Violette sind in der Wiener Kunsthalle und im Wien-Museum zu sehen.

Aalglatt zieht sich die nachtschwarze Wand durch die Salzburger Galerieräume des Galeristen Thaddae­us Ropac. Dann knackte etwas hier, etwas dort, erste Risse zogen sich spinnennetzartig über den harten polierten Minimal-Paravent. Die Ketten auf der Rückseite, be­trieben von Motoren, taten ganze Arbeit.

Am Ende hatte das Werk sich selbst zerstört, gesprengt sozusagen. Und Banks Violette hatte eine Ausstellung mit der Wie­ner Kunsthalle in der Tasche. Das war vor einem Jahr. Da trafen sich der Kunsthallendirektor Gerald Matt und der auf seine Amoralität großen Wert legende New Yorker Metal-Minimalist zum zweiten Mal und entdeckten eine gemeinsame heimliche Leidenschaft: Perry Mason.

"Wir lieben beide Mysteries, Film Noir, Detektivgeschichten", erzählt Matt. "Banks Arbeiten gehen dabei stark über Hard Core Bands und Black Metal. Insgesamt sind das alles Behandlungen eines Extremzustands, die aus einer tiefen amerikanischen Tradition heraus zu verstehen sind. Die Faszination des Bösen, das Gegenteil des amerikanischen Traums." Die Ausstellung sei angesiedelt "in der existentiellen 'Twilight Zone', wo Lüge und Wahr­heit, Verbrechen und Gerechtigkeit, sexueller Exzess und bürgerliche Moral ausfransen".

"Diese Coolness ist auch bei Violette zu spüren"

Dass diese von Matt und Vio­lette gemeinsam kuratierte Schau ein düsteres Spektakel wird, liegt also sozusagen auf der Teufelsklaue: In der Mitte des abgedunkelten Raums werden als zentrales Werk wortwörtlich heiße Stühle stehen – Möbel, die Feuer spucken. "Es war gar nicht leicht, dafür eine Ge­neh­migung zu bekommen", berichtet Matt zufrieden. Rundherum schlängelt sich die besagte zerberstende Spiegelwand, in der sich die Flammen brechen sollen. Zumindest weniger physisch brutal geht es in den Nebenräumen zu, wo die beiden ihr Faible für die dunkle Seite historisch verankern: Mit Zitaten aus Dashiell Hammetts Roman "Der Malteser Falke", in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischt werden, mit John Hustons Verfilmung, einer "Ikone des Film Noir", so Matt. Mit Jazz von Miles Davis – "diese Coolness ist auch bei Violette zu spüren". Und in den Fotogra­fien von New Yorker Verbrechensschau­plätzen von Weegee, dem Star der Street Photography der vierziger Jahre.

Diesem beinharten Genre widmet zeit­­gleich das Wien-Museum die umfassen­de­re Ausstellung "Big City" mit 150 Exponaten: Die Hommage an die Groß­stadt New York, vor allem der sechzi­ger und siebziger Jah­re, ist Teil des Programms mit dem das Wiener-Museum sein 50-jäh­ri­gen Jubiläum feiert. Zusam­men­gestellt hat die Schau Gastkurator Gilles Mora. Mit dabei sind unter anderem Walker Evans, Robert Frank, Diane Arbus – jedenfalls wird der Besucher auch hier auf einen "walk on the wild side" geschickt, verspricht Direktor Wolfgang Kos. Auch ohne dass aus Stühlen Feuer speit.

"Fahrstuhl zum Schafott" und "Big City"

Termine: Kunsthalle Wien, bis 3. Mai. Wien-Museum, bis 24. Mai. Katalog: Kunsthalle, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 24 Euro, im Buchhandel 29 Euro
http://www.kunsthallewien.at

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