Manierismus - Hamburg

Das Ende der Harmonie

"Sturz in die Welt" heißt eine Ausstellung mit 120 Werken manieristischer Malerei im Hamburger Bucerius-Kunstforum.

Giorgio Vasari war empört. Da kamen deutsche und flämische Künstler nach Italien, um hier die Manier, "welche alle an Güte übertrifft und jedermann unendlich wohl gefiel" zu erlernen – und da ging ein Jacopo da Pontormo hin und ließ sich von dem herben Formenkanon des Albrecht Dürer inspirieren.

Pontormos Fresken in der Kartause von Galluzzo bei Florenz (1522/25) mit ihren eigentümlich zerdehnten Figuren waren eines der frühesten Werke einer Kunst, die vom Historiker Luigi Lanzi (1732 bis 1810) mit dem Namen Manierismus belegt wurde.

Keine Harmonie der Renaissance mehr, dafür übersteigerte Posen und Anatomien, eigentümliche Perspektiven, kühne Farben. Diese heute noch aufregende Malerei am Übergang zum Barock ist jetzt Thema der Ausstellung "Sturz in die Welt – Die Kunst des Manierismus in Europa" im Hamburger Bucerius-Kunstforum mit Leihgaben aus dem Museum der Bildenden Künste (Szépmüvészeti Múzeum) in Budapest – rund 120 Werke, unter anderem von Meistern wie Jacopo Tintoretto, Agnolo Bronzino, El Greco, Maerten van Heemskerck und Parmigianino.

Die Ausstellungsmacher verzichteten bewusst auf eine chronologische Hängung

Die Ausstellungsmacher aus Ungarn und Deutschland verzichteten bewusst auf eine chronologische Hängung oder etwa eine Anordnung nach Ländern und Gebieten, statt dessen fassten sie die Werke unter formal-kompositorischen Gesichtspunkten zusammen. Eine Abteilung widmet sich zum Beispiel dem im Manierismus als kompositorisches Element gebräuchlichen Strudel oder Wirbel oder dem bühnengleichen Auftritt der Protagonisten. Neben grandiosen Meisterwerken finden sich in der Ausstellung allerdings auch Arbeiten wieder, die allenfalls dazu dienen, die Bandbreite der Schätze dieses einen Hauses dokumentieren.

Mit der Eröffnung der Manierismus-Ausstellung hat das Bucerius-Kunstforum auch seine erweiterten Räume vorgestellt. In der Beletage des Hauses gibt es nun einen zweiten Ausstellungsraum, das Pendant zu dem mit Säulen und Mosaiken geschmückten zentralen Oktogon im Erdgeschoss. Auch das Foyer wurde nach oben verlegt, von wo die Besucher nun einen wunderbaren Blick auf den Rathausmarkt und die Binnenalster haben. Zusätzlich wurden dort ein Filmraum und das neue Ian-Karan-Auditorium eingerichtet, in dem Literatur- und Kammermusikreihen angeboten werden, die thematisch die jeweiligen Ausstellungsthemen begleiten. Direktorin Ortrud Westheider freut sich, damit zum sechsten Geburtstag des Kunstforums "das Konzept des Hauses vor allem qualitativ erweitern zu können".

"Sturz in die Welt. Die Kunst des Manierismus in Europa"

Termin: bis 11. Januar 2009. Katalog: Hirmer Verlag, 24,80 Euro, im Buchhandel 34,90 Euro
http://www.buceriuskunstforum.de