Angola - Venedig Biennale

Angola! Wo ist Angola?

Das afrikanische Land hat den Goldenen Löwen für den besten Pavillon der Biennale in Venedig gewonnen. Doch kaum ein Besucher hat die Arbeit des Fotokünstlers Edson Chagas im Palazzo Cini bisher gesehen. art war da, gratulierte dem Gewinner und durfte die Trophäe halten.
Überaschungsgewinner:Angola erhält den Goldenen Löwen

Künstler Edson Chagas beim Interview im Pavillon von Angola nach der Preisverleihung – der goldene Löwe steckt in der roten Box

Angola gewinnt den Goldenen Löwen! Als auf der Venedig-Biennale der Preisträger für den besten Pavillon bekanntgegeben wurde, ging ein Raunen durch die Reihen. Wo ist der Pavillon?

Wer hat ihn gesehen? Der Kunstbeitrag des afrikanischen Landes galt nicht als heißer Favorit und auf der Liste bedeutender Kunstproduzenten war Angola bisher auch nicht unbedingt aufgefallen. Um so mehr freuten sich die Gewinner: Edson Chagas, ein 36-jähriger Fotojournalist aus Luanda und die Kuratoren Paula Nascimento und Stefano Rabolli Pansera. Die preisgekrönte Arbeit "Luanda. An Encyclopedic City" besteht aus 23 Stillleben-Fotografien, die in den Räumen des Palazzo Cini, einem musealen Renaissance-Palast unweit der Peggy Guggenheim-Collection, präsentiert werden. Chagas hat Fundobjekte aus Angolas Hauptstadt wie einen alten Turnschuh, kaputtes Mobiliar oder schrottreife Computer vor abgeblätterten Wänden im Stadtraum von Luanda fotografiert, auf Postergröße drucken lassen und stapelweise auf Paletten im Palazzo ausgelegt. Die Besucher wandern durch die Räume mit Alten Meistern an den Wänden und dürfen sich Bilder von den Stapeln nehmen und in einer roten Sammelmappe mit nach Hause nehmen. Der Künstler sieht das Ganze als performative Arbeit, die mit den inszenierten Fotos in Luanda beginnt und mit der Verteilung der Bilder in Venedig vervollständigt wird. Die Motive sind Teil von Chagas "Found not Taken"-Serie, für die er zurückgelassene Dinge im urbanen Kontext katalogisiert. In Venedig will er mit diesen Bildern in Dialog mit der geschichtsträchtigen Handels- und Kunstmetropole treten.

Böse Zungen behaupten bereits, der Pavillon habe den Löwen als Belohnung dafür bekommen, dass er das Motto der Hauptausstellung, "Encyclopedic Palace", pflichtschuldig übernommen habe, anstatt es wie die meisten Ländernpavillons komplett zu ignorieren. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Co-Kurator Stefano Rabolli Pansera, ein gut vernetzter Architektur- und Urbanistik-Spezialist, erfolgreiche Lobby-Arbeit betrieben hat. Dazu hatte er reichlich Gelegenheit. Rabolli Pansera kuratierte letzte Jahr in Venedig schon Angolas Beitrag Architektur-Biennale.

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