Karla Black - Hannover

Ein Hauch von Skulptur

Sie wirken leicht, durchlässig, fragil. Sie riechen gut, und man möchte sie gerne anfassen. Sie tragen bedeutungsvolle Titel und sind doch nicht für den Verstand gemacht. Die Skulpturen der schottischen Bildhauerin Karla Black stellen den Betrachter auf die Probe: Wer sich nicht von seinen Sinnen leiten lässt, hat schon verloren.

Auf dem Boden breitet sich eine überdimensionale Halskette aus, geflochten aus Zellophan und Tesafilm und glänzend wie ein echtes Schmuckstück.

Ein ähnliches Geflecht hängt von der Decke, Farbspritzer beleben es. An der Wand entlang kriechen mehrere Papierhaufen, deren Pastellfarben aus ihnen ausgetreten sind und sich über den Boden ergossen haben. Durch den Raum schwebt eine rosa Wolke, so delikat, dass sie der geringste Windhauch wegblasen würde.

"Become Useful" (2012), "Brings Jewels" (2013), "At Fault" (2011) und "There Can Be No Arguments" (2011) sind Arbeiten, die Karla Black in den letzten Jahren gezeigt hat. Der Gang durch ihre Ausstellungen ist eine intensiv physische Erfahrung. Ihre Kunst spricht nicht nur das Auge an, auch Ohren und Nase werden angeregt. Man hört das Knistern von Materialien wie Zellophan, es riecht betäubend nach Seife und Kosmetika. Wie in einer Konditorei möchte man in die betörend bonbonfarbigen Gebilde hineinbeißen, hier in eine Schwarzwälder Kirschtorte, dort in einen Schokokuss.

Spätestens mit ihrer Einzelschau im schottischen Pavillon der 54. Biennale von Venedig 2011 wurde die in Glasgow lebende Künstlerin einem größeren Publikum bekannt. Jeder, der die Flucht von acht Räumen im Palazzo Pisani durchschritt, musste einfach von diesen pastellfarbenen, von der Decke hängenden und sich auf dem Boden ausbreitenden Arbeiten entzückt sein. Die Schau schwebte in einer Art Niemandsland zwischen Malerei und Skulptur, war mal das eine, mal das andere und war doch immer eindeutig Plastik – eine Art schottische Arte Povera, aber von großer Leichtigkeit und Eleganz.

Karla Black, geboren 1972 im schottischen Alexandria, studierte Kunst und Philosophie an der berühmten Glasgow School of Art. Eine ganze Reihe von international bedeutenden Künstlern ging aus der Akademie hervor, von den Glasgow Boys im 19. Jahrhundert über die realistischen Maler der achtziger Jahre bis zu jüngsten Turner-Preisträgern wie Richard Wright, Simon Starling und Martin Boyce.

Black machte vor zehn Jahren dort ihr Examen und lebt seither in der Stadt, ihre Wohnung und ein einsames Häuschen auf dem Land dienen als Ateliers, wo sie ausprobiert, mit Materialien spielt, Oberflächen testet. Ihr eigentliches Studio in einem Atelierhaus in der Innenstadt, wo Assistenten an größeren Skulpturen arbeiten, betritt sie nur selten, um an Details dieser Werke zu feilen.

Sie begann als Performancekünstlerin, zog jedoch nach und nach den eigenen Körper und dann auch direkte Anspielungen auf körperliche Formen aus ihrer Kunst ab.

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