Pierre Bonnard - Magier der Farbe - Von-der-Heydt-Museum

Leuchtende Erinnerung

Ausstellung des Spätimpressionisten Pierre Bonnard mit selten gezeigten Leihgaben im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal.

Viele Maler kamen sich im 19. Jahrhundert wie Kain vor, dem mit der Foto-grafie ein Abel erwachsen war. Einige nahmen die Herausforderung hingegen an, setzten Fotos wie Skizzen als Entwürfe ein, oder sie nutzten die neue Technik wie Edgar Degas zu Bewegungsstudien. Für den französischen Spätimpressionisten Pierre Bonnard (1867 bis 1947) war die Fotografie etwas für den Hausgebrauch. Als es 1890 die ersten handlichen Kameras zu kaufen gab, begann er das zu fotografieren, was er auch malte: Freunde und Familie, häusliche Szenen, Landschaften und immer wieder seine Frau.

Bonnard tat es Tausenden Fotoenthusiasten gleich und stürzte sich auf die Möglichkeit, mit der Kamera private Erinnerungen festzuhalten. Der Malerei jedoch wollte er auf diesem Feld zu ihrem schönsten Triumph verhelfen. Gerade sein berühmtes Spätwerk gleicht einem magischen Familien­album. Für jedes Bild zog sich Bonnard ins Atelier zurück, um aus dem Gedächtnis zu malen, was er tagtäglich sah. So konnte er zeigen, wie sich das Motiv vor dem inneren Auge verwandelt: Durch die liebende Erinnerung wird es in betörend leuchtende Farben getaucht.

Man sieht Bonnards Malerei die fruchtbare Auseinandersetzung mit der Fotografie in vielerlei Hinsicht an. Er schneidet Menschen und Gegenstände an, so als seien seine Gemälde wie Schnappschüsse entstanden; und er reklamiert die "malerische" Unschärfe vieler künstlerisch ambitionierter Fotografen für die Malerei zurück. Das größte Wunder seines Werks, die gleißen-den Farben, lässt sich allein dadurch freilich nicht erklären; ebenso wichtig waren die Farbgebung eines Paul Gauguin oder Bonnards Begeisterung für japanische Farbholzschnitte. Entsprechend weit gefächert ist die Bonnard-Retrospektive im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum. Sie stellt den "Magier der Farbe" in allen Phasen seines Schaffens vor, kreist innerhalb der chronologischen Folge um die zentralen Motive und Themen seines Werks und ergänzt die Rückschau durch ausgesuchte Arbeiten von Vorbildern und Weggefährten wie Edouard Vuillard, seinem engsten Freund in der Künstlergruppe der Nabis. Insgesamt werden gut 180 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Fotografien von Bonnard gezeigt, darunter zahlreiche private und öffentliche Leihgaben, die vermutlich so schnell nicht wieder nach Deutschland kommen.

"Pierre Bonnard - Magier der Farbe"

Termin: bis 30. Januar 2011, Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal. Der Katalog kostet 25 Euro. Außerdem ist in Zusammenarbeit mit dem ZDF ein Film produziert worden, der als DVD für 15 Euro erhältlich ist.
http://www.bonnard-ausstellung.de/

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