Linda McCartney - Ausstellung

Porträt einer Ära

Linda McCartney, die verstorbene Frau von Ex-Beatle Paul, fotografierte Rockstars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Jim Morrison hautnah. Sir Paul hat jetzt zusammen mit der gemeinsamen Tochter Mary eine Ausstellung organisiert – und seine vor zehn Jahren gestorbene Ehefrau als "große Künstlerin" gewürdigt. Linda habe ein besonderes Gespür für den richtigen Moment gehabt, den Auslöser zu drücken. "Das war ihr Geheimnis", sagte McCartney.

"Dieses Foto liebe ich ganz besonders", sagt Paul McCartney. Es ist ein 1969 in einem Aufnahmestudio entstandener Schnappschuss von ihm und John Lennon bei der Arbeit. Paul schreibt etwas auf ein Stück Papier, John sitzt daneben, den Kopf auf die Hand gestützt. Beide lachen, sehen glücklich aus. "Das Foto zeigt, wie wunderbar wir zusammenarbeiten konnten", fährt der Ex-Beatle fort.

Vor zehn Jahren starb seine Frau, die Fotografin Linda McCartney, an Brustkrebs. Die Ausstellung in der James Hyman Gallery nimmt den Jahrestag zum Anlass, eine Auswahl ihres fotografischen Werks zu zeigen. Als Linda Eastman fotografierte sie für amerikanische Magazine wie "Rolling Stone" hauptsächlich Popmusiker, etwa Jimi Hendrix und Jim Morrison von den Doors. 1967 war sie in London, um die Protagonisten des Swinging London abzulichten. Im Club Bag O'Nails, bei einem Konzert von Georgie Fame, trafen sich die beiden zum ersten Mal. "Sofort begannen die Geigen zu erklingen", sagt Paul. Zwei Jahre später heirateten sie und hatten drei Kinder. Ihr Tod war für ihn und die Familie ein großer Schock, jetzt äußert er sich in einem kurzen Essay im Ausstellungskatalog mit dem Titel "Momentaufnahmen" zum ersten Mal über sie und über das gemeinsame Leben.

Zusammen mit Tochter Mary, selbst Fotografin, und dem Galeristen James Hyman hat Paul aus mehr als 4000 Kontaktbögen 28 Schwarzweißfotos ausgewählt, die die Spannweite ihres Schaffens zeigen. Neben den Aufnahmen von Pop-Größen – Mick Jagger hinter einem halb geöffneten Vorhang, Jim Morrison mit Mikrofon – sind Landschaftsbilder zu sehen, einige Selbstporträts sowie intime Fotos der Familie. James Hyman hält die Fotografin für eine echte Künstlerin, viele ihrer Porträts "sind sorgfältig strukturierte Kompositionen, psychologische Porträts, die oft zwei Menschen zeigen. Und sie interessiert sich für den Raum dazwischen." Wie bei Simon und Garfunkel, die ganz eng beieinander stehen, wobei man nicht weiß, ob sie singen oder schreien, oder bei dem Künstlerpaar Gilbert & George, die eine große Entfernung trennt.

Ihre Schnelligkeit mit der Kamera zeigt ein Foto, das im Garten ihres Bauernhofs in Schottland entstand, den Paul in seinem Lied "Mull of Kintyre" besungen hat. Er balanciert im Morgenmantel und Pantoffeln auf dem Zaun, Sohn James springt von der Kühlerhaube des Land Rovers, Tochter Stella hockt träumerisch auf dem Gras, und im Hintergrund wedelt der Labrador Puppy mit dem Schwanz.

Besonders beeindruckend sind einige Selbstporträts. Auf dem einen ist sie nur als Schatten zu sehen, ein anderes, das im Atelier des Malers Francis Bacon aufgenommen wurde, zeigt sie in einem zerbrochenen Spiegel. Dieses Foto entstand nicht lange vor ihrem Tod, wie eine Erscheinung steht sie im Türrahmen, die kurzen Haare das Resultat von intensiver Chemotherapie.

Natürlich ist das Ganze auch ein kommerzielles Unternehmen. Die von ihrem langjährigen Mitarbeiter Paul Caffel hergestellten 28 Platinabzüge erscheinen in einer Auflage von jeweils 25 Exemplaren. Preis: knapp 5000 Pfund. Und dazu gibt es 10 De-Luxe-Portfolios mit dem gesamten Set für 100 000 Pfund pro Stück. Es erübrigt sich fast zu sagen: Die meisten sind schon vor der Eröffnung verkauft worden.

"Linda McCartney – Photographs"

Termin: 25. April bis 19. Juli, James Hyman Gallery, London.
http://www.jameshymangallery.com/