William Hogarth - Bremen

Radikal Neues

Er galt als ewiger Moralist und Satiriker, der sich nichts aus dem Ständetum machte. Tatsächlich zeigte der Brite William Hogarth in seinen Bildern kompromisslos das einfache Leben auf, dem er selbst – und ohne sich dafür zu schämen – entstammte. Zu seinem 250. Todestag widmet ihm die Bremer Kunsthalle eine Ausstellung.

Gegen Ende seines Lebens malt William Hogarth 
(1697 bis1764) noch einmal ein Selbstporträt an der Staffelei. Statt zeitgemäß mit einer gepuderten Perücke, stellt er sich mit einer Art Hausmütze dar und bekundet damit seine lebenslange Abkehr von höfischer Etikette und von den Regeln idealisierter Porträts, wie sie in England damals gang und gäbe waren.

Er ist offenbar stolz darauf, ein Selfmademan zu sein, der nie seine einfachen Wurzeln vergaß. Das Schlüsselerlebnis seiner Kindheit bestand gewiss darin, dass sein Vater, ein glückloser Kleinunternehmer, ­Jahre im Schuldgefängnis schmorte. Nach dessen Tod brachte Hogarth die Familie als Gebrauchsgrafiker und Zeichner durch, arbeitete sich aber langsam zum gefeierten Kupferstecher hoch.

Dass er nie den Ruhm eines an­erkannten akademischen Malers ­erreichte, hat ihn wohl schwer belastet, Gemälde verkaufte er selten. Trotzdem: Kompromisse im Hinblick auf seine Motive ging er nie ein. Unbeirrbar und mit Liebe zum Detail widmete er sich heiklen Themen wie dem elenden Leben auf den Straßen der boomenden Großstadt London. Er ­besuchte Gefängnisse und Waisenhäuser und zeichnete den Bodensatz der Gesellschaft, gern mit moralisierender Botschaft.

Hogarth, dem die Kunsthalle Bremen zum 250. Todestag eine Ausstellung widmet, ist mit seiner Kunst bei seinen Zeitgenossen oft auf Unverständnis gestoßen: zu neu, zu ungewöhnlich wirkten seine Bilder. Bereits 1903 gelangte ein großes Konvolut seiner grafischen Blätter in die Bremer Sammlung, und noch 1908 zeigt sich die Kritik davon befremdet: Hogarth habe nur als "Satiriker, Karikaturist, auch als Moralist" gegolten, "aber nie als reiner Künstler", schreibt damals ein Rezensent der Bremer Nachrichten.

Heute nennt Kuratorin Anne Buschhoff die von dem Briten praktizierte Verschmelzung von "hoher Historie und niederem ­Genre" etwas "künstlerisch radikal Neues". So funktionieren dicht montierte Bildgeschichten wie etwa die berühmten Zyklen vom ­"Lebenslauf einer Dirne" (1732) und vom "Werdegang eines Liederlichen" (1735) als Vorläufer aktueller ­Graphic Novels. Aber auch abseits ­dieser bekannten Blätter bietet die Bremer Schau Entdeckungen: So zeigen die Arbeiten "Erzürnte Musiker" (1741) oder der "Notleidende Dichter" (1737), wie wenig Hogarth vom Künstlerdasein im Elfenbeinturm hielt.

William Hogarth – Londons Laster

bis 17. August,
Kunsthalle Bremen

Der Katalog zur Ausstellung kostet 12 Euro.
Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten 
unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.kunsthalle-bremen.de/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen/