Leiblichkeit und Sexualität - Wien

Körper, Sex und Glaube

Die Wiener Votivkirche zeigt in einer Ausstellung 21 Werke zu zehn Begriffen, die um den Themenkomplex Körper und Sexualität kreisen. Besonders prominent: eine Skulptur von Damien Hirst, die an Gunter von Hagens "Körperwelten" erinnert.

Viel von Damien Hirst hat Wien noch nicht gesehen. Eigentlich praktisch gar nichts.

Die Brit-Art als ein Ganzes war bisher an der Stadt nicht einmal angestreift, wie man hier sagen würde. Bis Sarah Lucas anscheinend voriges Jahr den Bann brach mit ihrer Secessions-Schau. Zuvor war die große Hirst-Ausstellung in der Albertina geplatzt.

Jetzt darf sich das Arnulf-Rainer-Museum in Baden bei Wien damit schmücken, erstmals eine größere museale Auswahl des Kunstmarkt-Zynikers in Österreich zu präsentieren, und zwar seine "garantiert eigenhändigen" Ölbilder der letzten Jahre, in denen er sein morbides Alphabet stilllebenartig herunterbetet. Die Wiener Galerie Suppan begleitete mit einer Verkaufsausstellung diese Premiere. Und in der Wiener Votivkirche bildet seine lebensgroße Bronze-Statue des Heiligen Bartholomäus den prominenten Mittelpunkt einer für das katholische Wien doch ziemlich ungewöhnlichen Ausstellung.

Gerade das schwierige Thema "Leiblichkeit und Sexualität" hat sich der Verein "Kunst und Glaube" des australischen Kurators David Rastas ausgesucht, um im laufenden Kirchenbetrieb der von Touristen gerne mit dem Stephansdom verwechselten Historismus-Kathedrale eine vergleichsweise spektakuläre Schau zu implementieren. Wiener verirren sich allerdings selten hierher, seit Jahren wirkt die Kirche verrammelt, von Werbung verhüllt, in dauernder Restaurierung. Vielleicht daher die Akzeptanz dieser Ausstellung, die ohne Proteste über die Bühne ging, weder im Theologischen noch Künstlerischen angegriffen wurde.

Unterlegt sind den Arbeiten von 25 Künstlern wie Pipilotti Rist, Doug Aitken oder Erwin Wurm als religiöser Subtext zehn Begriffe, die der in Wien lebende, in Kanada geborene Pater George Elsbett aus dem Orden der "Legionäre Christi" aus den Aussagen von Papst Johannes Paul II. zu Körper und Sexualität gefiltert hat: der Körper, die Einsamkeit, die Unschuld, die Gemeinschaft, die Nacktheit, die Lust, die Scham, die Erlösung des Herzens, der innere Blick, die bräutliche Bedeutung des Körpers.

Die Werke der Künstler orientieren sich allerdings nur lose daran. Etwa die allgemeine Betrachtung des Schönheitsbegriffs in einer Kapelle, in der die Kopie einer antiken Herkules-Statue auf ein Manga-Mädchen des japanischen Künstlerstars Takashi Murakami trifft.

Hirsts Bartholomäus kann dagegen recht eindeutig dem Körper-Thema an sich zugeordnet werden – wirkt die Skulptur doch wie aus Gunter von Hagens plastinierten "Körperwelten" entsprungen: Das Martyrium des Apostels bestand schließlich darin, dass ihm u. a. bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde, er trägt sie lässig über dem Arm. Kein Wunder, dass Hirst sich genau diesen Heiligen für eine eigentlich exzeptionell konventionelle Darstellung ausgesucht hat.

Ganz anders ein anonymer Beitrag in einem von Gerümpel verstellten Raum im sonst abgesperrten Chorbereich: In dem Video wird ein verstaubtes Kruzifix sorgfältig sauber geleckt. Aber Hallo. Das ging wohl nicht mit offiziellen Kirchengeldern, die von Francesca von Habsburg eröffnete Ausstellung wurde rein privat finanziert, erklärt Rastas, etwa von einem mexikanischen Ehepaar, das einfach aus Interesse heraus 40.000 Dollar spendete. Übrigens: Die DVD mit der oralen Kruzifix-Säuberung wurde noch während der Eröffnung gestohlen.

Leiblichkeit und Sexualität

Votivkirche Wien, bis 15. Juni 2014
http://www.leiblichkeit-und-sexualitaet.org/#!ausstellung--konzept/cdhb