Loris Gréaud - Palais de Tokyo

Jungstar triumphiert im Palais de Toyko

Der erst 28-jährige Loris Gréaud darf als erster Künstler die Fläche des Pariser Museums für moderne Kunst allein mit seinen Arbeiten bespielen. Der Eingang ist ein Garagentor
Techno-Oper mit Livemusik-Beschallung:Gréauds Alleingang auf 2000 Quadratmetern

"La Bulle Forêt de poudre à canon"

Die Pariser Kunstszene hat einen neuen Hoffnungsträger. Im Alleingang triumphiert der erst 28-jährige Loris Gréaud mit einer großen Einzelausstellung, konzipiert wie eine Techno-Oper mit Livemusik-Beschallung, dramatischen Szenenbildern und einem Libretto, das von Kurt Schwitters, Salvador Dalí und Theodor Adorno stammen könnte, auf den knapp 2000 Quadratmetern des Museums für Gegenwartskunst Palais de Tokyo.

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Strecken Teaser

Auftakt ist ein sich öffnendes und schließendes Garagentor, genannt Cellar Door, mit dem Motto: "Es war einmal eine Tür, durch die zuerst die Zukunft schritt." Es folgt eine Flucht von unterschiedlich großen, ineinander verschachtelten Räumen, deren Thema jeweils ein Partitur Blatt mit einem kurzen Text vorstellt. In einer Mischung aus Märchen, Science Fiction, Wissenschaftskolleg und Dada-Kunstschau mit "Blasen" voller Filmprojektionen, Skulpturen aus gebrochenen Linien von Neonröhren, bewässerten Blumenbeeten, warmen Luftwirbeln, stroboskopisch erhelltem Halbdunkel und schliesslich einem abgefackelten Plastikwald werden die Zuschauer eingestimmt durch einen im "Laboratorium" sitzenden, elektronische Musik zuspielenden Assistenten. An Automaten kann man – leider für zwei Euro – geschmacksarme Bonbons ziehen, eine Hommage an den verstorbenen Kubaner Felix Gonzalez-Torres und keineswegs die einzige Reminiszenz an die Kunstgeschichte.
Zum ersten Mal darf ein einzelner Künstler den gesamten Palais de Tokyo mit seinen Arbeiten bespielen, und dank großzügiger Unterstützung seitens seiner Galerie Yvon Lambert und Sammlern wie Claude Berri erledigt Loris Gréaud diese Aufgabe mit Bravour. Hatte er vorher in kleineren Pariser Einzelschauen wie Espace Ricard oder Le Plateau bereits mit spektakulären Ideen geglänzt, indem er etwa Mauern durch die angeblichen Schallwellen des Big Bäng zum wabern brachte oder drei Meter unter der Erde ein Feuerwerk zündete, überrascht er im Palais de Tokyo mit einer ganz eigenen, nicht leicht verständlichen und dennoch faszinierenden Welt hinter der "Cellar Door", indem es nicht mehr darum geht, einzeln Kunstwerke anzusehen, sondern ein ganzes künstlerisches Universum mit allen Sinnen zu erfahren.

"Cellar Doors"

Termin: noch bis 27. April 2008 im Palais de Toyko, Paris
http://www.palaisdetokyo.com