7 x 14 - Kunsthalle Baden-Baden

Nur die Erfolgreichen sind geladen

Die Kunsthalle Baden-Baden feiert ihr 100-jähriges Jubiläum – und knüpft an ein Projekt aus alten Zeiten an: 14 Tage lang werden jeweils sieben junge Künstler präsentiert.
Nur die Erfolgreichen sind geladen:Kunsthalle Baden-Baden feiert ihr Jubiläum

Im Rahmen der Ausstellungsreihe "7 x 14" ist Michael Beutler vom 7. April bis zum 19. April in der Kunsthalle Baden-Baden zu sehen. Hier eine Installationsansicht von Michael Beutler "Propper en drog" aus dem Jahr 2007 bei der Ausstellung "Kunstmaschinen Maschinenkunst" in der Schirn-Kunsthalle, Frankfurt am Main

Als die Besucher 1970 in die Kunsthalle Baden-Baden kamen, fragten sie erstaunt: Wo, bitte schön, ist die Kunst? Sie fanden sie schließlich oben kurz unter der Decke. Der Künstler Blinky Palermo (der eigentlich Peter Heisterkamp hieß) hatte unter dem neoklassizistischen Kassettenfries einen blauen Streifen gemalt.

Tagelang war er mit Leiter und Wasserwaage zugange – und doch erntete sein blaues Band vor allem Kopfschütteln und Unverständnis. Heute, fast vierzig Jahre später, wird die Kunstwelt gelassen reagieren. Das blaue Band, das für die Ausstellung "7 x 14" rekonstruiert wurde, lenkt den Blick auf das Museum und konkret auf den strahlend weißen Saal der Kunsthalle Baden-Baden. Und um die soll es schließlich gehen: Sie feiert ihr 100-jähriges Bestehen.

Die Leiterin der Kunsthalle, Karola Kraus, knüpft zum Jubiläum an ein Projekt aus alten Zeiten an. Von 1968 bis 1973 hat der damalige Leiter Klaus Gallwitz unter dem Titel "14 x 14" junge Künstler eingeladen, ihre Arbeiten jeweils zwei Wochen lang zu präsentieren. Montag bis Mittwoch wurde aufgebaut und nach zehn Tagen wieder abgehängt und eingepackt – der nächste, bitte. Gemeinsam mit Klaus Gallwitz hat Karola Kraus nun eine Auslese der Künstler getroffen, von April an sollen dann sieben junge Künstlerinnen und Künstler die Räume bespielen – wiederum je 14 Tage lang.

Parole: "Keine falsche Bescheidenheit"

Einige der Künstler, die Gallwitz damals nach Baden-Baden holte, haben die ganz große Karriere gemacht, Georg Baselitz, Imi Knoebel, Markus Lüpertz oder Gerhard Richter. Klaus Gallwitz hätte gern auch die anderen aus der Versenkung hervorgeholt, doch Karola Kraus wollte – Parole "keine falsche Bescheidenheit" – nur die Topacts zeigen. Nicht alle Werke sind noch erhalten, so dass Imi Knoebel Vergleichbares für die Schau ausgewählt hat: vier Quadrate, die auf Kasimir Malewitsch anspielen – weiß mit weißem Rahmen, weiß mit schwarzem Rahmen und vice versa.
Viele der Künstler wollten seinerzeit mit der Tradition des Tafelbilds brechen. Reiner Ruthenbeck hängte ein eigenwilliges Objekt an die Decke, ein Stoffgebilde mit Eisenstangen, das nicht Bild, nicht Skulptur ist, flach und doch Raum greifend. Ulrich Rückriem hat Bandeisen, sechs Meter lang, acht Zentimeter breit, in einer komplexen Versuchsanordnung zu Kreisen geschweißt. Aber die Formation, die nun am Boden liegt mit Kreisen und Stangen, zeigt doch auch, dass diese Kunst in den vierzig Jahren an Sprengkraft verloren hat, was im Grunde ein Erfolg ist. Die Sehgewohnheiten haben sich weiterentwickelt, der Kunstbegriff ist erweitert – und der Minimalismus hat museale Patina bekommen.

Auch wenn mit den "Acht Lernschwestern" (1966) von Gerhard Richter oder zwei Beispielen aus Georg Baselitz’ Serie "Heldenbilder" interessante Werke zu sehen sind, begnügt sich die Ausstellung mit publikumswirksamem Name-Dropping. Sie bedient sich des legendären Konzepts, schmückt sich mit dessen Titel, ohne "14 x 14" gerecht zu werden oder auch nur annährend zu dokumentieren. Gerade dieses Projekt, dass doch viele Künstler kurz vor der Schwelle zum Erfolg zeigte, wäre ein Anlass gewesen, über die Strategien des Systems nachzudenken. Aber man kann einen Geburtstag eben so oder so feiern: als kritische und selbstkritische Rückbesinnung – oder mit einer schillernden, flirrenden Party, zu der nur die Schönen und Erfolgreichen geladen werden.

"7 x 14 Jubiläumsausstellung"

Termin: bis 12. Juli, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Lichtentaler Allee 8a, 76530 Baden-Baden
http://www.kunsthalle-baden-baden.de/

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