Moca - Los Angeles

Vorsicht frisch gestrichen!

Jeffrey Deitch, Direktor des Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles, wollte mit der Ausstellung "Art in the Streets" frischen Wind in sein Museumsprogramm bringen. Doch mit Dollarzeichen verzierte Särge auf einer Wand gegenüber eines Veteranenkrankenhauses waren ihm zu viel Provokation. Ob am Ende nur den Fassadenstreichern ein laues Lüftchen um die Nase weht, ist noch offen.
Vom Provokateur zum Zensor:Weiß über Blau

Die Fassade des MOCA wurde wieder überstrichen. Unschuldiges Weiß soll für Frieden mit der Nachbarschaft sorgen.

Anlässlich der Ausstellung "Art in the Streets", die im kommenden Frühjahr im Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles stattfinden soll, lud der Direktor des MOCA, Jeffrey Deitch, den Street-Art-Künstler Blu ein, die Außenwand des Geffen Contemporary Buildings neu zu gestalten. Doch von der künstlerischen Freiheit, die Blu sich bei der Umsetzung des Projekts genommen hatte, schien der Museumsdirektor am Ende wenig zu halten. So kam es, dass bereits einen Tag nachdem Blu gestartet hatte, die Umrisse mehrerer Särge, auf die Hauswand zu zeichnen, am folgenden Morgen nicht mehr der Künstler den Pinsel in der Hand hielt, sondern mehrere Maler, die beauftragt wurden, das begonnene Wandgemälde wieder auszulöschen. Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass sich das Museum direkt gegenüber einem Veteranenkrankenhaus und einem Denkmal für die Japanisch-Amerikanischen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg gefallen sind, befindet. Aus diesem Grund ließ die Museumsleitung verlauten, dass Blus Särge, die mit Ein-Dollar-Noten drapiert waren, in diesem Kontext unangemessen seien. Ob die Institution damit auf Beschwerden der Anwohner reagierte, blieb bisher genauso ungeklärt wie die Frage, warum die Museumsleitung nicht bereits den Entwurf der Abbildung kritisiert hatte, bevor dieser in die Tat umgesetzt wurde.

Der Graffiti-Künstler selbst blieb relativ gelassen und ließ im Kulturblog "Animal New York“ verlauten, dass er den Ablauf bedauere, aber es viel interessanter fände, die Reaktionen zu beobachten, als seine persönliche Meinung kundzutun. Einen etwas undiplomatischeren Kommentar gab es allerdings bereits in seinem persönlichen Blog, in welchem er unter eine Zeichnung, die das Museum als überdimensionierte Kaffeetasse darstellt, schrieb: "Of course, the first time I heard "MOCA“ this is what I thought of“. In einem weiteren Post ist die wieder weiß gestrichene Außenwand des Geffen Contemporary Buildings mit der Bildunterschrift "a really nice, big wall, in downtown L.A.“ zu sehen. Ob dies eine subtile Aufforderung an ortsansässige Street-Art-Künstler ist, dort ihr Glück zu versuchen, kann man nur vermuten. Verständlich wäre es, wenn man bedenkt, dass der momentan in Italien lebende Blu, der als einer der renommiertesten Künstler seines Genres gilt, die unelegante Übermal-Aktion des MOCA live mitverfolgen musste. Dies schien allerdings auch nicht ganz ohne Grund, denn tatenlos hat Blu das Geschehen offensichtlich nicht verfolgt. Ein gepostetes Video der Auslöschung des begonnenen Graffitis sorgt seitdem für reges Treiben in den Internet-Foren der Szene.

Zensur oder nicht Zensur?

Und nicht nur dort, denn auch andere interessierte Beobachter und die Presse nehmen die Geschichte zum Anlass, wieder einmal zu fragen, wie viel Zensur die Kunst verträgt. Doch angesichts des bisherigen Verlaufs der Ereignisse scheint es relativ klar zu sein, dass kontroverse Kunst sich schwer zensieren lässt. In den meisten Ländern findet sie ihren Weg in die Öffentlichkeit. Insofern geht es in diesem Beispiel vielleicht mehr um die Frage, warum Museen sich immer noch so schwer tun, junge Kunstformen als eigenständige Gattung anzuerkennen, mit deren Vertretern sie auf eine genauso respektvolle Art und Weise umgehen, wie mit Künstlern etablierterer Genres. Denn leider wird man das Gefühl nicht los, dass das MOCA die oft abschätzige Definition von Graffitikünstlern als Fassadenmalern wohl zu wörtlich genommen hat. Mit einem schönen himmelblauen Bild von Blu hätte in der Stadt der Engel wohl niemand ein Problem gehabt. Doch dass von Street Art als Kunst im öffentlichen Raum durchaus anderes zu erwarten ist, versteht sich eigentlich von selbst. So dass es nicht überrascht, dass auch Banksy kürzlich wieder für Schlagzeilen sorgte, als er den Erlös von 175 Drucken aus der Serie "Choose your weapon“ dafür verwendete, einen russischen Kunst-Aktivisten vor dem Gefängnis zu bewahren. Und auch wenn sich in den U-Bahnschächten und an den Hauswänden unserer Großstädte sicherlich nicht immer politisch motivierte Malerei befindet, lohnt es sich danach Ausschau zu halten. Denn wahre Künstler gestalten die Welt.

The Museum of Contemporary Art Los Angeles

Weitere Informationen über die aktuellen Ausstellungen des Museums finden Sie auf der Homepage.
http://www.moca.org/

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