Josef Albers - München

Ein neues Farbensehen

Josef Albers (1888 bis 1976) arbeitete am Bauhaus und am Black Mountain College, er war Lehrer von Donald Judd, John Cage und Robert Rauschenberg. In der Pinakothek der Moderne kann man nun den Maler in all seiner Sinnlichkeit erleben.

Nichts sollte Josef Albers (1888 bis 1976) von der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Farb- und Raumwirkung ablenken. Um den wechselnden Einfall des Tageslichts auszuschließen, malte er seine Studien im gleichbleibenden Schein einer Neonröhre.

Die Farbe drückte er direkt aus der Tube aufs Papier, füllte damit die ineinander verschachtelten Quadrate, bis sich eine räumliche Tiefenwirkung ergab. "Homage to the Square" nannte Albers die Serie aus halbkonzentrischen Quadratfeldern. Hunderte Versionen mit unterschiedlichen Maßen und Farben entstanden in der Zeit von 1950 bis zu seinem Tod. Die Arbeiten machten den ehemaligen Bauhauslehrer weltberühmt, brandmarkten ihn aber zugleich als dogmatischen Puristen. Dass er durch die jahrzehntelange, selbst auferlegte formale Reduktion ein neues Farbsehen unabhängig vom Gegenstand ermöglichte, erkannten nur wenige. Eine andere Sicht auf sein Werk eröffnet die Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung in der Pinakothek in München. Zu sehen sind rund 70 Arbeiten, die seit 1940 im Zusammenhang mit seinen Serien "Adobe" und "Homage to the Square" entstanden sind. Anders als die oft kühl wirkenden Gemälde zeigen die Papierarbeiten den Weg von der Ideenskizze bis zum fertigen Bild. "Wir wollen den Maler Josef Albers in seiner Sinnlichkeit zeigen", erklärt Sammlungsdirektor Michael Semff.

Eine Befreiung der Farbe erlebte Albers nach seiner Emigration 1933 in die USA, als er nach Jahren der Abstinenz wieder zu malen begann. Die leuchtenden Farben Südamerikas hatten ihn auf Reisen zu neuen Bildern inspiriert. Seine Lehrtätigkeit führte er am Black Mountain College weiter fort: "To open eyes. Das war mein Ziel und ist es noch immer. Genau dies möchte ich mit all meinen Bildern erreichen: das Sehen soll aktiv werden."

Josef Albers in Amerika. Malerei auf Papier

Pinakothek der Moderne, München, bis 6.3.2011

Weitere Stationen: Bottrop, Josef-Albers-Museum Quadrat, 20.3.–19.6.; Humlebæk, Louisiana Museum of Modern Art, 1.7.–31.8. und andere.

Der Katalog im Hatje Cantz Verlag kostet 39,80 Euro

Mehr zum Thema auf art-magazin.de