Michael Triegel - Papst Benedikt XVI

Der Mensch Benedikt steht im Zentrum

Der Leipziger Maler Michael Triegel porträtiert Papst Benedikt XVI. Sein Bild ziert das Vestibül des "Instituts Papst Benedikt" in Regensburg. Zur Vorbereitung reiste Triegel nach Rom und nahm an einer Generalaudienz im Vatikan teil. art-Autorin Susanne Altmann sprach mit ihm über seine ungewöhnliche Mission.
"Der Mensch Benedikt steht im Zentrum":Michael Triegel porträtierte den Papst

Der Leipziger Maler Michael Triegel steht in Regensburg neben dem ersten Entwurf seines Papst-Porträts

Sie sind nicht gläubig. Welche Rolle spielte das für den Auftrag?

Michael Triegel: Die Frage stellte eigentlich nur die Presse, wo es sich gut macht, zu schreiben: Ein Atheist malt den Papst oder ein Altarbild. Sicherlich gibt es da eine gewisse Sehnsucht, die mich umtreibt. Manche Kirchenmänner haben zu mir gesagt, ich wäre ein tiefreligiöser Mensch. Das bewiese allein meine permanente Beschäftigung mit solchen Themen, weniger die Frage, ob ich nun an die leibliche Auferstehung glaubte oder nicht.

Was wissen wir heute eigentlich noch über die Gläubigkeit Ihrer berühmten Vorgänger – etwa über jene Michelangelos, der den Machthunger und die Intrigen am Papsthof aus nächster Nähe gesehen hat? Er war wohl eher ein Freigeist.

Vielleicht, Raffael hingegen war sicherlich ein tiefreligiöser Mensch. Doch wie definiert man Religiosität? Geht es nicht vor allem in der Kunst um das Ringen des Menschen, um seine Verstrickung in Leid und die Versuche, sich davon zu befreien? Hier kann man Fragen der Religion nicht mehr von menschlichen Grundproblemen trennen.

Raffael hat zwei berühmte Papstporträts geschaffen, einmal den wohlgenährten Leo X., flankiert von zwei Kardinälen, und dann, im Kontrast, Julius II. als alten Mann.

Hier zeigte Raffael den späten Julius als milden, gebrochenen, introvertierten Greis und als Denker, von einer ganz anderen Seite als der repräsentativen. Das Reizvolle an einem Papstporträt scheint mir bis heute, dass es mehrere Personen zu verbildlichen gilt: zunächst den Nachfolger Petri, also das Amt und dann den Menschen. Daraus ergibt sich eine Ambivalenz zwischen Distanz und Nähe, die mich sehr interessiert.

Ihre Begegnung mit Benedikt XVI. innerhalb einer Audienz war sehr kurz. Eine extra Porträtsitzung war nicht erwünscht. Immerhin hat der Pontifex Sie als seinen "Raffael" bezeichnet. Doch reicht das für ein Porträt?

Man hätte sich auch nur Fotos schicken lassen können, aber das wäre reines Abmalen. Für mich war diese Präsenz psychologisch wichtig. Ich durfte anderthalb Stunden skizzieren und fotografieren. Bei dem großen Abstand kann man zwar keine Dürerzeichnung machen, aber ich habe den Menschen im Raum gesehen, seine Augen und Gesten eingefangen. Aus dem Material werde ich schöpfen.

Velázquez war auch nur kurz in Rom und hat dennoch seinen wunderbar differenzierten Papst Innozenz X. als Sitzenden gemalt. Sie selbst planen ein etwa ein Meter mal 75 Zentimeter großes Gemälde. Wie haben wir uns das vorzustellen?

Eine sitzende Halbfigur fände ich ideal und nähere mich damit tatsächlich dem historischen Topos des Papstporträts von Raffael oder Velázquez. Eine Ganzfigur wäre mir wohl zuviel Gewandstoff. Es soll ein schlichtes Bild werden, ohne große ikonografische Zutaten. Ich male ja primär nicht, was ich weiß, sondern was ich sehe. Also steht der Mensch Benedikt im Zentrum. Ein älterer Mensch ist immer ein dankbares Motiv, weil Falten und Augen für die Lebenserfahrungen sprechen. Letztlich geht es auch um die Einsamkeit der Person in dieser Stellung und um höchste Konzentration.

Geistige wie auch malerische Konzentration, vermutlich. Doch wieso muss es noch heute ausgerechnet ein Gemälde sein? Würde in der Regensburger Institution nicht ein Foto das gleiche leisten?

Das Medium Malerei adelt den Gegenstand, und es gibt ganz offensichtlich ein Bedürfnis danach. Es enthält Dauer und eine andere Tiefe, die dadurch entsteht, dass ich mich zwei bis drei Monate damit beschäftigen werde. Gegenüber der Verfügbarkeit von zahllosen Papstfotos, etwa im Internet, garantiert die Malerei Exklusivität. Wahrscheinlich wird es auch nicht bei dem bestellten Gemälde bleiben, es kann gut sein, dass ich noch eine Variante für mich selbst male.

Sie porträtieren ja nicht nur Päpste, sondern haben auch schon mal Wolfgang Joop gemalt. Was interessiert Sie sonst an Personenbildnissen?

Wem es nur um seine Eitelkeit zu tun ist, dem kann ich nicht dienen. Die Chance der Malerei besteht darin, dass ein intensiver Blick von außen Seiten eröffnet, die man an sich so noch nicht kannte. Natürlich zeigt sich im Wunsch nach einem Porträt auch die Sehnsucht, dem eigenen Leben Dauer zu verleihen. Manchmal frage ich auch direkt, wenn mich ein Gesicht oder eine Person interessieren, ob ich das malen darf. Wenn der Funke nicht überspringt, dann nützt ja die ganze Maltechnik nichts.

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