Ostzeit - Berlin

Schönheit vor brutaler Platte

Fotoarbeiten von Ute und Werner Mahler, Harald Hauswald und Sibylle Bergemann dokumentieren das Leben in der DDR, dazu Fotos aus der "Wendezeit" vom französischen Fotografen Maurice Weiss.

Fotografieren in der DDR, sagt die Fotografin Ute Mahler, war die Demonstration einer subjektiven Haltung. Paradoxerweise hatte ihre Generation von Fotografen, die sich in den siebziger Jahren formierte und mit ihrer Arbeit das offizielle Selbstbild des SED-Staats permanent in Frage stellte, dabei größere Spielräume als Kollegen in der bildenden Kunst oder in der Literatur.

Denn im Gegensatz zu anderen Künsten wurde die Kamera als Mittel künstlerischen Ausdrucks von den Funktionären einfach unterschätzt. "Die waren sich der Vielschichtigkeit der Fotografie nicht wirklich bewusst", erklärt die 1949 geborene Fotografin, die ab 1974 hauptsächlich für die zweimonatlich erscheinende Modezeitschrift "Sibylle" gearbeitet hat. Von vielen der damals entstandenen Bildern geht noch heute ein eigentümlicher Reiz aus. Weil Mahler ihre schönen Modelle einfach in den verfallenden Straßenschluchten oder vor brutalistischer Plattenarchitektur in der Nähe der damaligen Redaktionsräume nahe der Friedrichstraße ablichtete, wird ausgerechnet die Modefotografie zum Beleg für die Widersprüche im Ostalltag.

Fotografen mussten als Heizer arbeiten

Dass es kein besseres Medium gab als die Fotografie, um die Kluft zwischen rea­lem Sozialismus und sozialistischem Realismus zu verdeutlichen, zeigt die Fotoschau "Ostzeit" im Berliner Haus der Kulturen der Welt (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro). In insgesamt 13 Blöcken werden Ar­beiten von Ute Mahler, Werner Mahler, Sibylle Bergemann und Harald Hauswald – nach der Wende allesamt Mitbegrün­der der Fotoagentur "Ostkreuz" – gezeigt, darunter auch Bergemanns Reportage über das wilde Treiben in "Clärchens Ballhaus" in der Auguststraße oder Harald Hauswalds Szenen aus dem Leben der DDR-Boheme. In Hauswalds Fall waren die Genossen allerdings misstrauisch: Zu Ostzeiten musste sich der gelernte Fotograf seinen Lebensunterhalt als Heizer, Telegrammbote oder Fotolaborant verdienen. Sein Buch "Ostberlin – Die andere Seite einer Stadt" konnte 1987 nur im Westen erscheinen.

"Ostzeit"

Termin: 14. August bis zum 13. September, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Katalog "Ostzeit Geschichten aus einem vergangenen Land", Hatje Cantz, 2009, 39,80 Euro
http://www.hkw.de/

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