Lawrence Weiner - New York

Bildhauer der Sprache

"Der Künstler ist wie ein Reisender, eine Art Seemann, der sich an Orte begibt, an denen vorher noch niemand war", erklärt Lawrence Weiner seine Aufgabe. Der Amerikaner ist einer der Pioniere der konzeptuellen "Public Art". Ein Ausflug in Weiners Welt

Die Frage, was Kunst ist und wie der Künstler in dieses Bild passt, treibt Lawrence Weiner bis heute um. Das Ergebnis seiner 50 Jahre andauernden Experimente ist in der Retrospektive „As Far As The Eye Can See" im New Yorker Whitney Museum of American Art zu sehen. Der inzwischen 65-jährige Weiner, der in New York und Amsterdam lebt, gilt als einflussreicher Vertreter der Konzeptkunst: Allein schon eine Idee sei als Werk anzuerkennen, lautet eine seiner radikalen Forderungen. Die Ausführung oder die individuelle Handschrift des Künstlers werden bei ihm zu Nebenschauplätzen erklärt.

Konsequent bedient sich Weiner der Sprache als Mittel und schafft Werke, bei denen Texte auf Plakaten, in Büchern, Zeitungen, auf Fußböden und Fassaden, auf Materialien wie Stein, Glas oder Eisen, in Filmen und Songtexten oder auch als Tätowierung selbst zur Kunst werden. Seiner Heimat New York widmete der in der Bronx geborene Bildhauer der Sprache eine Arbeit, die sich so in das Stadtbild einfügt, dass die meisten achtlos darüber hinweglaufen: „In Direct Line with Another & The Next" („In direkter Verbindung zu einem Anderen & dem Nächsten") steht auf 19 Gullydeckeln in Downtown Manhattan geschrieben.

Die Retrospektive wird in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles (MOCA) organisiert. Mit rund 150 Arbeiten umreißt sie das Lebenswerk, beginnend mit den „Propeller" und „Removal Paintings" aus den sechziger Jahren, bei denen der Künstler aus monochrom besprayten Leinwänden ein Rechteck entfernte, bis zu jüngeren Fassadeninstallationen.

Der Künstler sei eine Person, die mit der Gestaltung der Welt, wie er sie vorfindet, unzufrieden ist, sagte Weiner einmal. „Er ist wie ein Reisender, wie ein Seemann, der sich an Orten begibt, an denen noch niemand war." Um die Besucher auf Weiners Welt einzustimmen, wird sein Audiorepertoire im Fahrstuhl des Whitney Museum gespielt.

"Lawrence Weiner – As Far as the Eye Can See"

Whitney Museum of American Art, New York: bis 10. Februar 2008. Katalog: 60 Dollar

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