Erschütterung der Sinne - Dresden

Quellen der Inspiration

John Constable, Eugène Delacroix, Caspar David Friedrich und Francisco de Goya haben die Kunst der Moderne an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert geprägt und die Epoche der Romantik in Europa wesentlich mitgestaltet. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen nun mit einer Sonderschau die Werke und Vorbilder der Künstler.

Eugène Delacroix, John Constable, Caspar David Friedrich und Francisco de Goya: Die Malerparade für einen scheidenden Sammlungsdirektor könnte kaum grandioser ausfallen.

Mit kuratorischer Hilfe seines Künstlerfreundes Luc Tuymans hat sich Ulrich Bischoff nach 19 Jahren an der Dresdner Galerie Neuer Meister diesen Abschiedsaufmarsch organisiert. "Die Erschütterung der Sinne" nennt das Gespann seinen Parforceritt durch gut 200 Jahre Kunstgeschichte und lieh sich dafür atemberaubende Meisterwerke aus Madrid, London oder Paris. Constables Landschaften von ätherischer Schönheit, Goyas kecke Wasserträgerin (1808/12) oder Delacroix’ leicht größenwahnsinniges Selbstporträt (1837) glänzen nun bis Mitte Juli im Dresdner Albertinum.

Fast verstellen die vier Heroen den Blick auf das ambitionierte Konzept der Ausstellung. Mit Goya und seinen Kollegen soll der Ursprung der Moderne dargestellt werden, der sich zeitgleich an verschiedenen Schauplätzen Europas zutrug. Von diesen vier Giganten des frühen 19. Jahrhunderts ausgehend, weisen dann jeweils drei weitere Großkünstler bis in die Gegenwart: Adolph Menzel und Max Liebermann sind dabei, ihnen auf den Fersen Édouard Manet und Paul Cézanne, Mark Rothko und Per Kirkeby fehlen nicht, gefolgt von Gerhard Richter und Jeff Wall. Auch Luc Tuymans selbst reiht sich dazu – in einer für Kuratoren recht gewagten Geste der Selbstdarstellung. Das mag auch damit zu tun haben, dass sich mit dem Gemälde "Der Architekt" (1997/98) ein wichtiges Werk des Belgiers in der Dresdner Sammlung befindet. Im Katalog stellt Tuymans dann seine bevorzugte Ahnenreihe klar: Delacroix, Cézanne und Kirkeby. Das leuchtet weder stilistisch noch intellektuell völlig ein, zumal der Künstlerkurator dann in der Praxis der Ausstellung weit schlüssigere Nachbarschaften für sich herstellt: Neben der metaphysischen Konzeptmalerei eines Caspar David Friedrich oder genau gegenüber den schattigen Figurenbildern des lange verkannten Dänen Vilhelm Hammershøi funktionieren Tuymans frostige, stille Gemälde weit besser.

Weit mehr als Didaktik sei hier ohnehin das Assoziationsvermögen des mündigen und sinnenfrohen Betrachters gefragt, erklären die Ausstellungsmacher. Schließlich handele es sich mehr um ein "essayistisches Tableau, als um eine strenge Erörterung". Das klingt fast wie eine Absicherung gegenüber kunsthistorischen Hardlinern. Auch sonst holpert es in den acht Räumen bisweilen gehörig zwischen kreativer Intuition und schnöder Ausstellungschoreografie. Tatsächlich magische Momente gibt es mit David Claerbouts düsterer Installation der "Venice Lightboxes"(2000), wo sich auch ohne direktes Gegenüber mühelos Spannungsbögen zu Friedrich, Rothko und Constable herstellen lassen.

Constable, Delacroix, Friedrich, Goya. Die Erschütterung der Sinne

Die Ausstellung "Constable, Delacroix, Friedrich, Goya. Die Erschütterung der Sinne" wird in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, in der Galerie der neuen Meister präsentiert und ist dort noch bis 14. Juli zu sehen.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Sandstein Verlag und kostet 19,80 Euro, im Buchhandel 29,90 Euro

http://www.skd.museum/?id=734