Bari Arte Contemporanea - Museumseröffnung

Auf Stelzen im Hafenwasser

Während die italienische Regierung harte Sparmaßnahmen im Kulturhaushalt durchführt, leistet sich Apuliens krisengeschüttelte Hauptstadt Bari ein neues Zentrum für zeitgenössische Kunst. Dafür wurde das "Teatro Margherita" restauriert, das auf Stelzen im Hafenwasser steht und vierzig Jahre lang vor sich hinmoderte.
Auf Stelzen im Hafenwasser:Bari leistet sich Zentrum für zeitgenössische Kunst

Ansicht auf das "Teatro Margherita", das neue Zentrum für zeitgenössische Kunst in Bari

Der Bau aus dem Jahr 1914 war eine der ersten Konstruktionen aus Eisenbeton in Italien. Aussen wurde er jetzt herausgeputzt, innen stehen die Betonwände noch roh da.

Die Eröffnungsausstellung wurde von Jörg Heiser, dem Chefredakteur der britischen Kunstzeitschrift "Frieze", kuratiert. Sie zeigt unter dem Titel "Trailer Park" 42 Objekte aus der 500 Werke umfassenden Sammlung des Neapolitaners Maurizio Morra Greco. "Ich habe die Auswahl ganz klar im Dialog mit dem Gebäude getroffen", sagt Heiser. Die Ausstellungsräume gleichen einer Baustelle. Hier fügt sich das aus Spanplatten, Kacheln und Karton gezimmerte Mobiliar "Restepfanne" (2002) des Berliner Bildhauers Manfred Pernice fast zu perfekt ein. Jimmy Durhams Installation "Petrified Forest" (2003), eine mit Zement zugeschüttete Büroeinrichtung, verliert dagegen einen Teil ihrer Befremdlichkeit. Selbst Isa Genzkens Betonarbeit "Halle" (1987) hat Mühe, sich zu behaupten.

Der Bremer Maler Norbert Schwontkowski ist mit zwei beklemmenden Gemälden vertreten. Den Anstoss zum Museum "BAC" (Bari Arte Contemporanea), gab Maurizio Morra Greco. Er finanzierte die Eröffnungsschau und trägt auch die Kosten für das Projekt der Innenrenovierung, für das der britische Architekt David Chipperfield den Auftrag erhielt.
Neben der Stadt und der Region Apulien hat sich die Nachbarregion Kampanien verpflichtet, die laufenden Kosten des Museums mitzutragen. Hier unterstützt also die Mitte-Rechts-Regierung, die im April 2010 die Linke in Kampanien abgelöst hat, das Projekt ihres politischen Gegners. "Wir müssen unsere Denkweise ändern und zusammenarbeiten", mahnt der Bürgermeister von Bari, Michele Emiliano, ein ehemaliger Anti-Mafia-Richter. Am gleichen Tag wurde ein Abkommen unterzeichnet, mit dem sich Apulien verpflichtet, innnerhalb von drei Monaten 50 000 Tonnen Müll von Neapel zu übernehmen.

Nichi Vendola hielt eine beflügelte Eröffnungsrede für das neue Museum. Seit fünf Jahren regiert er Apulien. Viele träumen von ihm als "weissem Obama Italiens" und trauen ihm zu, Berlusconi bei den Parlamentswahlen zu schlagen.
Gern zitiert er das Leitmotiv von Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung": Denken heisst überschreiten. Er gab die Einführung in eine Tagung, die unter dem Titel "Mezzogiorno der Kunst / Kulturelle Hegemonien" in der Normannenburg von Bari stattfand und an der unteranderem Achille Bonito Oliva, Anton Vidocle, Emiliy Jacir, Nikos Papastergiadis und Cesare Pietroiusti teilnahmen. Jannis Kounellis schenkte dem neuen Museum eine grosse Skulptur aus Eisen, mit Kohle gefüllt. Sie steht draussen vor dem "Teatro Margherita" und die Writers von Bari haben sie bereits angenommen und mit tags versehen.

"Trailer Park"

Termin: bis 6. März 2011, Teatro Margherita, Bari

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