The First Georgians - London

Die ersten Georges

Vor 300 Jahren stieg der erste König aus der Hannoveraner Linie auf den englischen Thron. Eine Ausstellung im Buckingham Palace feiert das Jubiläum jetzt mit einer Ausstellung

Die beiden ersten Hannoveraner auf dem englischen Thron haben ein Imageproblem. Es gibt von ihnen kein Porträt, das sich ins Gedächtnis der Nation eingegraben hat, wie das von Charles I. von Anthonis van Dyck.

Sie hatten wenig Geschmack, waren keine großen Kunstsammler und hinterließen keine grandiosen Bauten. Wie macht man daraus eine Ausstellung?

Der Schau gelingt es trotz der widrigen Umstände, ein lebendiges Bild einer Zeit zu zeichnen, in der die Aufklärung Fuß fasste, die Wirtschaft blühte, aber auch blutige Kriege gefochten wurden. Sowohl Georg I. als auch Georg II. waren kompetente Feldherren. Sie gaben sich bescheiden und bauten ihre Paläste nur von innen aus. Vergoldete Möbel, Tafelsilber, Porzellan sind alle prächtig, vielleicht etwas zu prächtig.

Ein ganzer Raum ist dem Künstler gewidmet, der Hofmaler Georgs II. hätte werden können. William Hogarth machte sich aber lieber auf Kupferstichen über den herrschenden Geschmack lustig – ausladende Perücken, eine Suppenterrine in der Form eines Delphins, Gemälde im Stil Raffaels – und stellte die Kehrseite des immer wohlhabender werdenden Landes dar: Armut, Alkoholismus, Prostitution. Als freier Künstler hatte er freie Hand.

Georg II. zieht gegen seine Frau Caroline von Ansbach eindeutig den Kürzeren. Nicht nur korrespondierte die Intellektuelle am Hof mit Leibniz und Voltaire und interessierte sich für Literatur und Wissenschaft, sie hatte auch Geschmack. Ihre Sammlung von Miniaturen und Waxkameen ist exquisit, und als Verehrerin der Tudorzeit kaufte sie mehrere Werke von Hans Holbein d. J., etwa das erstaunliche Porträt von Sir Henry Guildford. Warum nur ließ sie sich von dem drittklassigen Joseph Highmore im Profil darstellen, ihr stolzer Busen findet sein Echo in ihrem üppigen Doppelkinn?

Der wahre Sammler in der Familie war Carolines unglücklicher Sohn Frederick, den sie verabscheute, der sich mit dem Vater überwarf und der früh starb, bevor er als Thronfolger zum König gekrönt werden konnte. Eine diebische Elster mit dem Auge eines Connoisseurs. Er erstand mehrere Arbeiten von Claude Lorrain, aber auch van Dycks fast zärtliches Porträt "Thomas Killigrew mit einem unbekannten Mann" und eine köstliche Genreszene von David Teniers mit einem eifersüchtigen Ehemann. Sein Großvater Georg I hielt es mehr mit dem gewaltigeren Peter Paul Rubens, dessen Reiterporträt des Don Rodrigo de Calderon an der Stirnwand des Hauptraumes hängt, in dem all diese Juwelen zu sehen sind.

The First Georgians

London, Queen's Gallery. 11. April bis 12. Oktober 2014
http://www.royalcollection.org.uk/exhibitions/the-first-georgians-art-monarchy-1714-1760

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