Sonia Delaunay - Kunsthalle Bielefeld

Wie die Avantgarde auf den Teppich kam

Malerei und Design der russisch-französischen Künstlerin Sonia Delaunay in der Kunsthalle Bielefeld.

Wenn man heute durch einen Museumsladen schlendert und Motive der Moderne auf Plakaten, Kaffeetassen und Schnellheftern sieht, hat sich damit ein Traum der klassischen Avantgarde erfüllt. Die wollte das Leben mit den Mitteln der Kunst erobern und erhoffte sich davon eine neue Weltordnung oder doch zumindest den Siegeszug des Schönen. Am weitesten kam mit dieser etwas naiven Idee ausgerechnet eine Künstlerin, die bislang meist im Schatten ihres berühmteren Ehemanns stand: Sonia Delaunay (1885 bis 1979).

1885 als Sonia Terk in der Ukraine geboren, übersiedelte sie 1903 nach Deutschland und 1905 nach Paris. Dort lernte sie den französischen Künstler Robert Delaunay (1885 bis 1941) kennen, den sie 1910 heiratete. Gemeinsam mit ihm setzte sie Anfang des 20. Jahrhunderts Komplementärfarben so auf die Leinwand, dass deren Kontraste miteinander zu tanzen begannen.

Orphismus nannten sie ihre Kunst der reinen Malerei, die die Farben in rhythmische Harmonien brachte. Früh verließen die Delaunays die Abgeschiedenheit von Salons und Ateliers: Robert entwarf Kulissen und Kostüme für Bühne und Film, Sonia trug ihre Farbharmonien am eigenen Leib zur Schau. Mit ihren Kleidern war sie dabei so erfolgreich, dass sie den Orphismus als Modemarke etablieren konnte.

Oftmals unterschätztes Werk

In ihren Schnitten folgte sie der schlichten Eleganz Coco Chanels, die Muster übernahm sie von ihrer Malerei. Mit Kostümen für die berühmten "Ballets Russes" fand sie zudem eine Möglichkeit, die Bewegung der Farbe über die zwei Dimensionen der Leinwand hinaus zu erproben. "Sonia Delaunays Welt der Kunst" heißt eine Ausstellung der Kunsthalle Bielefeld, die mit gut 350 Exponaten in ein zwar nicht gerade vergessenes, aber oftmals unterschätztes Werk einführt. Gezeigt werden wesentliche Gemälde des Orphismus, Delaunays malerisches Spätwerk sowie eine erstaunliche Vielfalt angewandter Kunst.

Obwohl sie ihren Modebetrieb in der Weltwirtschaftskrise einstellen musste, blieb Delaunay dem Prinzip der Vielfalt treu und erweiterte ihr Sortiment beträchtlich: Es gibt Teppiche nach ihren Entwürfen, Spielkarten, Sitzbezüge, Poster und Porzellan, und sogar die Farbgebung für ein Auto, den legendären "Matra 530".

Diese späten, in kleiner Stückzahl aufgelegten Gegenstände, bilden fast ein Bindeglied zwischen den naiven Träumen der klassischen Avantgarde und dem inszenierten Warenfetischismus eines Takashi Murakami. Auch Sonia Delaunay produzierte für den Markt, aber sie tat es in der Hoffnung, der Welt mit Hilfe der Kunst ein sinnliches Strahlen zu verleihen.

"Sonia Delaunays Welt der Kunst"

Termin: bis 22. Februar 2009. Katalog: Kerber Verlag, 24 Euro, im Buchhandel zirka 35 Euro
http://www.kunsthalle-bielefeld.de/