Kerstin Brätsch - Porträt

Es entsteht etwas Neues”

Kerstin Brätsch sucht in ihren Arbeiten das Körperliche und kollaboriert immer wieder mit anderen Künstlern. Unsere New Yorker Korrespondentin traf sie in ihrem Atelier.
Digitale Malerei:Kerstin Brätsch sucht in ihren Arbeiten das Körperliche

Kerstin Brätsch & Debo Eilers: "S is for Socks (Chamberbag 11s)", 2014, Vorderseite

Bei ihrer Malerei ist sie mit jedem Pinselstrich auf sich selbst gestellt. Aber dabei belässt es die 1979 in Hamburg geborene und in New York lebende Künstlerin Kerstin Brätsch nicht.

Durch die Wahl neuer Materialien, Techniken und Kollaborationen mit Künstlern bricht sie immer wieder ihre Arbeiten auf, um sie auf unterschiedlichen Ebenen weiterleben zu lassen. Es würde ihr darum gehen, sich in Bezug zur Welt zu setzen, meint die Künstlerin. Durch wechselnde Gegenüber sich selbst und ihre Arbeit zu reflektieren und ihre Position als Malerin in Frage zu stellen.

Unter dem Namen "Das Institut" arbeitet Brätsch seit 2007 mit der Künstlerin Adele Röder zusammen. Sie übertrug mit der Malerei am Computer generierte Bilder in ein anderes Medium. Sie arbeitet mit Öl auf transparenten Folien, so dass neue Werke entstehen, wenn man die Bilder übereinander lagert. Sie kollaboriert mit den japanischen Brüdern Ei und Tomoo Arakawa, die United Brothers, was unter anderem 2011 nach der nuklearen Katastrophe in einer Reise nach Fukushima gipfelte, wo die Künstlerin Glas-Schutzschilder entwickelte und an unterschiedlichen Orten wie auf der Spitze des Mount Fuji aktivierte. Die Glasscheiben reisten mit Malereien, an denen sie mit einem Glasmaler-Meister in der Schweiz gearbeitet hatte, zu ihrer Solo-Ausstellung bei Gavin Brown 2012 zurück nach New York.

In einer digitalisierten Welt, die ständig Bilder erzeugt, hat sich auch die Auffassung von der Wiedergabe und der Präsentation von Bildern verändert. "Was uns am Ende bleibt, ist der Körper", meint die Künstlerin. Und so sucht sie in ihren Arbeiten die Referenz zum Körperlichen. Sei es durch einen andeutenden Pinselstrich oder wie bei ihrer Zusammenarbeit mit dem New Yorker Künstler Debo Eilers, der bei der "Chamber-Bags"-Serie Brätschs Malereien auf Folie mit skulpturalen Elementen, die wie Häute aussehen, durchbrach. Zusätzlich floss eine Fülle von Bild- und Textmaterial in Form von Postern, Preislisten, Fotos von Openings und Installationen oder Pressetexten ein, die mit dem dritten Kollaborateur des Projekts zusammenhängen und zum Teil von Social- Networks aus dem Internet stammen.

Seit sechs Jahren arbeiten Eilers und Brätsch mit einem Mädchen namens Kaya zusammen. Inzwischen ist aus dem Kind eine 18-jährige Highschool-Absolventin geworden, die selbst Künstlerin werden will. Kaya übernahm 2010 die Bühne bei der ersten Ausstellung in einer Non-Profit-Galerie auf der New Yorker Canal Street. Sie arbeitete mit an Bildern oder gab bei einer Performance im PS1 Anweisungen, wie Eilers eine seiner Skulpturen auseinander zu nehmen hatte. Kerstin Brätsch servierte bei der uneitlen Aktion Wassermelonensaft. Für ihre Ausstellung in der Green Gallery in Milwaukee wurden die fertigen, an Masken erinnernden Folien mit Metalldrähten zusammengenäht und mitten im Raum aufgehängt. Wo sie mit Leichtigkeit die Malerei umkrempeln und mit der Bildhauerei und der Installationskunst flirten. Die Malerei bezieht bei Kerstin Brätsch eine neue Position. Die Künstlerin gibt nicht ihre Reflektion einer Welt wieder, die man von außen betrachtet. Sondern kreiert mit ihren Kollaborateuren eine Fusion, die zwischen dem Betrachter und der Welt steht. Ein Bild, das man von allen Seiten betrachten und durch das man hindurchblicken kann. "Es entsteht etwas Neues", sagt Kerstin Brätsch.