Letzte Bilder - Frankfurt

Der neuartige Blick auf das Gesamtwerk eines Künstlers

"Letzte Bilder" – dieser Titel ist wörtlich zu nehmen: Die Ausstellung in der Frankfurter Schirn zeigt Werke und Werkgruppen, die Künstler in ihren letzten Lebens- und Schaffensjahren hervorgebracht haben. Vollendet sich das Werk in ihnen? Beginnt mit ihnen etwas Neues? Oder sind sie Zeichen nachlassender Schöpferkraft?

Im ersten Raum beginnen Seerosenbilder (1914/17) aus Claude Monets Garten in Giverny den Reigen. Herbst des Lebens: Die Blüten beginnen zu welken. Noch strahlen die Farben, doch tragen sie das Verlöschen schon in sich: leuchtende, auf die Leinwand gestreute Tupfer auf schlammbraunem Grund.

Ein anderes Mal hängen die Blattschnüre einer Trauerweide ins Wasser wie das Land in den See in Hölderlins Gedicht "Hälfte des Lebens".
Monets Seerosen an die Seite gestellt sind Blumenstillleben, die Éduard Manet 1882 und in seinem Todesjahr 1883 gemalt hat.
Die Schau vereint Arbeiten von 14 Künstlern, die ein Spätwerk hervorgebracht haben, oder die, wie im Fall von Martin Kippenberger und Bas Jan Ader, jung gestorben sind und unerwartet ein "letztes Bild" hinterließen. Inszeniert werden anhand thematischer Gegenüberstellungen die "papiers découpés" von Henri Matisse und die abstrakten, Linienzeichnun­gen Willem de Kooning. Sie stehen unter dem Titel "Neubeginn im Alter". Alexej von Jawlenskys "Meditationen" und Stan Brakhages Film "Chinese Series", dessen Bilder er mit dem Fingernagel aus der aufgeweichten Emulsion gekratzt hat, firmieren unter "Mit beschränkten Mitteln".

Auch wenn manche Rubrik etwas didaktisch daherkommt, gelingt der Schau, was ihre Absicht ist: sich der Komplexität des Themas mittels einer Vielzahl von Werken zu nähern, um die "Besonderheit des Einzelfalls" herauszustellen. Im spannungsreichsten Raum begegnen sich zwei geistesverwandte Enfants terribles: Francis Picabia und Kippenberger. Picabia setzt unter seine Provokationen, bewusst dilettantisch und doch delikat gemalt, gleich mehrere Punkte – oder Schlusspunkte. Kippenberger reibt sich traurig-ironisch am Selbstdarsteller P. P. (Pablo Picasso).
Der Parcour endet bei Ad Reinhardt und Bas Jan Ader. Reinhardt malt lauter "letzte Bilder", beschwört den allerletzten Rest von Licht und das endgültige Verglimmen. Bas Jan Ader, Melancholiker der Konzeptkunst, macht sich auf die Suche nach dem Wunderbaren, wobei er – so die Legende – beim Versuch, den Atlantik zu überqueren, selbst verlorenging.

"Letzte Bilder. Von Manet bis Kippenberger"

Die Austellung ist noch bis 2. Juni 2013 in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt zu sehen

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Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag und kostet 26,80 Euro,
im Buchhandel 39,90 Euro


http://www.schirn.de/LETZTE_BILDER_2.html