Dash Snow - Nachruf

Träume sterben auf die harte Tour

Die New Yorker Downtown-Legende Dash Snow ist am Montag überraschend gestorben – an einer Überdosis. "Zu Leben war schwierig für ihn", meint Snows Galerist Javier Peres. Ein Nachruf.
Träume sterben auf die harte Tour:Dash Snow ist tot. Ein Nachruf

Kunst, Sex und Rock'n Roll – Dash Snow inszenierte sich gerne als cooler Künstler

Er soll die letzten Monate clean gewesen sein, hieß es. Er war glücklich seit der Geburt seiner Tochter, die 2007 zur Welt kam. Snow und seine Künstler-Freunde feierten den Geburtstag der kleinen Secret damals mit einer ihrer berüchtigten Nest-Installationen in der New Yorker Deitch Gallery.

Sie verwandelten die Galerie in ein riesiges Hamsternest, das sie mit zerrissenen Telefonbüchern zumüllten. Sie beschmierten die Wände mit Sprüchen, tranken jede Menge Alkohol und klar, nahmen Drogen. Im Alter von 27 Jahren ist Dash Snow in einem Hotel in Downtown Manhattan an einer Überdosis gestorben. Es soll Heroin gewesen sein. Snows Großmutter, die Kunstsammlerin und Philanthrophin Christophe de Menil, die eine enge Beziehung zu ihrem Enkelsohn hatte, bestätigte die traurige Nachricht.

Snow war eine New Yorker Downtown-Legende. Vor zwei Jahren hatte sich ein Schreiber des New York Magazine an die Fersen des scheuen Underground-Rebellen gehängt, der als Graffiti-Sprayer durch New York zog und sich über viele Jahre weigerte, sich überhaupt als Künstler bezeichnen zu lassen. Seine alten Freunde, der Künstler Dan Colen und der Fotograf Ryan McGinley, überzeugten Snow schließlich, ebenfalls als Künstler zu arbeiten. Die Coverstory im New York Magazine mit dem Titel "Warhols Kinder" zeigte Snow, McGinley und Colen, wie sie nackt bis auf die Unterhosen eng aneinander gereiht im Bett liegen.

Dass Dash aus der reichen Öl-Dynastie, den De Menils stammt, die eine bedeutende Kunstsammlung in Houston haben und dass er als das schwarze Schaf der Familie galt, trug zu seinem Mythos bei. Sein vermögendes Zuhause und das gepflegte Society-Leben hatte Snow bereits im Alter von 13 Jahren hinter sich gelassen – er kehrte niemals wieder zurück. Snow klaute, nahm Drogen, landete im Jugendgefängnis, ließ sich die Haare und den Bart lang wachsen und sich Saddam Husseins Konterfei auf den Arm tätowieren. Wie seine Freunde lebte er in heruntergekommenen Downtown-Buden. Lange Zeit hatte er keine Türklingel und kein Telefon und machte das, was er sein ganzes kurzes Leben getan hatte. Mit Polaroids dokumentierte er seine Tage und Nächte, die von Drogenpartys, Sex und Streifzügen durch New York bestimmt zu sein schienen. Er fotografierte und fertigte Kollagen aus Zeitungsartikeln und alten Bildern.

Nun ist er Mitglied des "27 Club"

2006 war er mit trashigen Polaroids neben seinen Kumpels auf der Whitney Biennale vertreten. Charles Saatchi zählt zu seinen Sammlern. Wenn er eine Ausstellung hatte, musste sein Galerist Javier Peres die Arbeiten meist in Snows Wohnung zusammensuchen. Natürlich lieferte er nie irgendwas pünktlich ab. Es wirkte die ganze Zeit sowieso so, als ob Dash Snow von anderen zum Künstler gemacht worden war. Die Arbeiten von Snow und seinen Freunden würden hundertprozentig ihr Leben widerspiegeln, sagt Kathy Grayson, eine der Direktoren der Deitch Gallery. Es war mehr als eine Rebellen-Pose.

"Ich würde nicht sagen, dass er das Leben nicht liebte, aber zu Leben war schwierig für ihn", meint Snows Freund und Galerist Javier Peres, der in seiner Berliner Galerie im Rahmen einer Gruppenausstellung gerade eine aktuelle Videoarbeit des Künstlers zeigt. In "Secret & Jade" toben Snows Lebensgefährtin Jade und Tochter Secret durch die Natur in Upstate New York. Tragischerweise soll Snow gerade in den letzten Monaten so gesund wie nie zuvor gelebt haben. Er arbeitete an neuen Projekten, die auf der Frieze-Messe in London und bei seiner Berliner Galerie Contemporary Fine Arts gezeigt werden sollten. Es schien, als ob der sein Leben grundlegend ändern wollte, so Peres und seine Freunde. Nun ist er Mitglied des "27 Club", zu dem Rockstars und Ikonen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain zählen. Sie alle starben im Alter von 27 Jahren. "Dreams Die Hard", hatte Snow in einer seiner Kollagen erklärt. "Träume sterben auf die harte Tour."