Radar - Axel Haubrok

Axel Haubrok über Matt Calderwood

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Axel Haubrok, Düsseldorfer Wertpapieranalyst und Kunstsammler über den britischen Künstler Matt Calderwood.

Ich habe seine Arbeit schon vor ein paar Jahren auf dem Berliner Artforum entdeckt und sie mittlerweile auch mehrfach gezeigt. Matt Calderwood dokumentierte zuerst halsbrecherische Selbstversuche auf Video. Er zog sich zum Beispiel an einem Flaschenzug nach oben aus dem Bild oder er kokelte ein Hanfseil durch, über dem eine Autobatterie hing. Als sie auf den Boden knallte wurden sein Hände nur deshalb nicht zerquetscht, weil sie über einen unsichtbaren Umlenkmechanismus im letzten Augenblick unter der Batterie weggerissen wurden.

Später zeigte er Videos, bei denen eine Reihe leuchtender Neonröhren mit Eisenkrampen zerschossen wurde. So wurde aus dem weißen ein schwarzes Bild. Ähnliches passierte mit leuchtenden Glühbirnen: Sie wurden entweder ganz simpel in schwarze Farbe getaucht oder mit schwarzem Klebeband umwickelt. Dann war es dunkel.

Einfach, poetisch und trotzdem radikal. Ich hätte nie gedacht, dass diese Eigenschaften auch auf Skulpturen übertragbar sind. Aber Matt Calderwood schafft es. Seine frei gestalteten Gebilde aus Rigips-Platten müssten eigentlich umfallen. Sie tun es aber nicht, weil sie durch Wasserkanister sichtbar im Gleichgewicht gehalten werden. Solche Gegengewichte sind in seinen neuesten Skulpturen nicht mehr zusehen, obwohl sie immer noch umzufallen drohen. Zusätzlich sehen seine Skulpturen jetzt von allen Seiten völlig unterschiedlich aus, so dass die eindeutige Identifikation durch Abbildung unmöglich wird.

Der junge Brite, geboren 1975, steht erst am Anfang seiner Karriere, hat trotzdem er schon eine ganz eigenständige Position entwickelt und arbeitet beständig an deren Weiterentwicklung. Deshalb werde ich seinen weiteren Weg aufmerksam verfolgen.

"Collected things connected"

Termin: 13. März bis 29. Mai. Nächste Ausstellung der Sammlung Haubrok, kuratiert von Jonathan Monk, Strausberger Platz 19, Berlin
http://www.sammlung-haubrok.de/shows/monk/

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