Haris Epaminonda - Zürich

Grundprinzip Collage

Haris Epaminonda kommt aus Zypern, lebt in Berlin und stellt nun im Kunsthaus Zürich ihren neuen Film "Chapters" vor.
Kultisch und naturverbunden:Erste Schweizer Ausstellung der Zypriotin

Prozession vor altem Gemäuer: Dreharbeiten zu Haris Epaminondas neuem Film "Chapters"

Wir sehen Menschen in weißen Gewändern über südliche Felder gehen. Andere beziehen vor einer alten Mauer Stellung wie zu einer Prozession.

Haris Epaminonda hat für ihren neuen Film den ganzen Sommer lang auf Zypern gedreht. Die Bilder, die dabei entstanden sind, wirken bald kultisch, bald naturverbunden, in jedem Fall aber rätselhaft. Eigentliche Handlungen lassen sich nicht erkennen. Die Künstlerin ist eher an Situatio­­nen interessiert. Die Sequenzen werden im Atelier in Berlin geschnitten und so miteinander verbunden, bis sie eine schweben­de, zauberhafte Atmosphäre hervorbringen. Der Film hat Premiere im Kunsthaus Zürich, das die erste Einzelausstellung der Künstlerin in der Schweiz zeigt.

Epaminonda wurde 1980 in Nikosia geboren. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung am Royal College of Art in London kehrte sie 2003 für einige Zeit in ihre zypri­sche Heimat zurück und fand zufällig in einem Trödelladen französische Zeitschriften aus den fünfziger Jahren. Die Abbildungen berührten sie. Sie stellten die Welt ganz anders dar, als wir es gewohnt sind. Und sie stießen eine Auseinandersetzung mit der Collage an, die bald zum Grundprinzip der medial vielseitigen Künstlerin wurde.

Das begann zunächst mit gefundenen Bildern, denen Epaminonda durch Schnitte, Leerflächen und Kombinationen mit fremden Bildelementen ihre Bedeutung nahm, und führte schnell zu filmischen Arbeiten. Die zuletzt mit documenta-Ehren bedachte und für den Preis für Junge Kunst 2013 nominierte Künstlerin will erzählen, aber nicht in der linearen Art, die ein Bild aus dem anderen folgen lässt. Haris Epaminonda schätzt die Offenheit von Zwischenlagen und inszeniert Bildsequenzen in Räumen mit verschiedenen Projektionen. Das kann so einfach sein wie ein Blick auf die Akropolis bei Sonnenlicht und unter Wolken – jedesmal ändert sich die Stimmung und löst andere Assoziationen aus. Diese Naturphänomene werden vor allem durch die Musik zusammengebracht und fordern den Betrachter durch wenig offensichtliche Verbindungen heraus, sich eine Geschichte zu überlegen.