David Hockney - Köln

ES WIRD ZEIT FÜR EINE NEUE SICHTWEISE

Er ist eine der letzten lebenden Legenden des 20. Jahrhunderts. David Hockney hat sich mit unvergesslichen Bildern in die Annalen der Malerei eingeschrieben. Doch der 75-jährige Engländer ist kein erstarrter Klassiker, sondern ein immer noch neugieriger Künstler, der mit Formen experimentiert. Vor der großen Ausstellung mit seinen Landschaftsbildern im Kölner Museum Ludwig traf art David Hockney in Los Angeles zum Gespräch.

Kaum ein Maler des 20. Jahrhunderts wird so eindeutig mit einem einzigen Motiv verknüpft: "David Hockney = Swimmingpool", so lautet die Gleichung, die automatisch im Kopf aufzutauchen scheint.

Kein Wunder: David Hockney hat in den sechziger Jahren unvergessliche Bilder gemalt, die längst zu Ikonen der Moderne geworden sind. Die coole Prägnanz seiner abstrahierten Poolszenen war prägend für die Ära der Pop Art, und für das Bild von Kalifornien in der Kunst.

Allerdings ist es auch bei kaum einem Maler so falsch, ihn auf ein Motiv zu reduzieren wie bei David Hockney. Der Engländer ist ein experimenteller Geist, der immer wieder nach neuen Möglichkeiten der Darstellung gesucht hat. So erkannte er in den achtziger Jahren das Potenzial der Polaroid-Kamera. Aus den Schnellbildern baute er multiperspektivische Fotocollagen.

David Hockney wurde in diesem Jahr 75. Doch ein Ruhestand ist nicht absehbar. Eine Ausstellung in Köln steht an, mit Bildern aus den letzten zehn Jahren, sie basiert auf der sehr erfolgreichen Schau "A bigger picture" Anfang 2012 in der Londoner Royal Academy.
art traf den Maler in seinem Haus in Los Angeles, wo er allerdings in den letzten zehn Jahren wenig Zeit verbracht hat. In der November-Ausgabe erzählt Hockney, wie er seine alte Heimat England als Lebensort und Motiv wieder entdeckt hat. Seit den späten neunziger Jahren entwickelte er brennendes Interesse an der Revolutionierung eines klassischen Sujets, des Landschaftsbilds.

Es begann damit, dass er sich die Gegend um den nordenglischen Küstenort Bridlington in der Grafschaft York einmal genauer ansah. Er hatte nicht weit von hier seine Kindheit verbracht, sein Bruder und seine Schwester leben bis heute in dem Städtchen, vier Zugstunden von London. Eigentlich kam er nur ein paar mal im Jahr her, um seine Mutter zu besuchen. "Irgendwann merkte ich, dass ich dort gut arbeiten konnte. Die Landschaft begann mich zu fesseln, die kleinen Veränderungen durch den Wechsel der Jahreszeiten. Wissen Sie, in Los Angeles scheint an jedem einzelnen Tag im Jahr die Sonne."

Hockney legte sich Kleidung für vier Jahreszeiten zu. Und er malte wie Monet vor 150 Jahren: mit Leinwand und Staffelei in der freien Natur. Allerdings war der technische Aufwand höher, denn seine Bilder wuchsen in immer größere Formate hinein. Einige sind fast fünf Meter breit und zwei Meter hoch.
Schon immer war Hockney erklärtermaßen am Realismus interessiert, der "Darstellung der sichtbaren Welt", wie er es ausdrückt. Wie Vermeer oder Matisse wählt er das Naheliegende, Alltägliche zum Motiv. Interieurs, Porträts von Freunden, vertraute Landschaften: Das Geheimnis liegt im Bekannten.

Zugleich hat sich Hockney als Kind der Moderne geweigert, seine Welt nach der Maßgabe dessen zu malen, was als Errungenschaft der abendländischen Kunst geht: der Zentralperspektive. Hier liegt sein ästhetischer, und wenn man so will, moralischer Ansatzpunkt. "Wir nehmen Dinge in Wirklichkeit sehr viel komplexer wahr, als es die fixierte Perspektive vorgaukelt", sagt er. "Der Kubismus war Anfang des letzten Jahrhunderts ein erster wichtiger Schritt in eine andere Richtung. Etwa zeitgleich hat sich der Film etabliert – er war damals aufregend. Heute ist er es nicht mehr. Es wird Zeit für eine neue Sichtweise."

Das vollständige Porträt David Hockneys lesen Sie in der November-Ausgabe von art. Hier erzählt der Maler, was Hollywood von ihm lernen soll, was sein großer Kollege Francis Bacon der Öffentlichkeit vorenthalten hat, und welche Folgen das Rauchverbot für die Kunstszene hat.

"David Hockney. A Bigger Picture"

im Museum Ludwig, Köln.
27. Oktober 2012 bis 3. Februar 2013
http://www.museum-ludwig.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de