Datenmarkt - Hamburg

Ein Toast auf Snowden!

Im Hamburger "Datenmarkt" bezahlen Kunden ihren Einkauf nicht mit Geld, sondern mit ihren ganz persönlichen Facebook-Daten. Eine Packung Toastbrot kostet nur acht Facebook-Likes und gegen Preisgabe des eigenen Beziehungsstatus' gibt es sogar eine Flasche Chantré!
Ihr Beziehungsstatus, bitte:Ein Supermarkt, in dem man mit Daten bezahlen kann

Im Hamburger "Datenmarkt" kann noch bis zum 22. Februar eingekauft werden

Würden Sie Ihre ganz persönlichen Facebook-Daten – die Fotos vom letzten Geburtstag, die Nachrichten an Mutti, ihren Beziehungsstatus – gegen eine Packung Knödel, einen Liter H-Milch und eine Packung Toast eintauschen?

In Hamburg gibt es einen Ort, an dem Menschen dies bereitwillig tun. Gegen die Preisgabe des eigenen Beziehungsstatus' gibt es sogar eine kleine, feine Flasche Chantré. Zu privat? Eine Dose Fruchtcocktail kostet Sie im "Datenmarkt" von Florian Dohmann, Maximilian Hoch und Manuel Urbanke nur fünf Facebook-Fotos. In den Räumlichkeiten einer Modeboutique hat das Kreativ-Trio einen ganz besonderen Supermarkt eröffnet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Läden bezahlt der Kunde seinen Einkauf hier nicht mit Geld, sondern mit Daten aus dem eigenen Facebook-Account – freiwillig, versteht sich. Einen Kaufzwang gibt es nicht.

"Für das Bezahlen gibt der Kunde seinen Facebook-Benutzernamen und sein Passwort an der Kasse ein, wie bei einem EC-Kartengerät", erklärt Maximilian Hoch. "Dann schaut unsere Applikation nach, ob genug Daten für den Kauf vorhanden sind. Anschließend werden die Daten, mit denen bezahlt worden ist, auf den Kassenbon gedruckt." Der Kunde kann also sehen, mit welchen seiner Daten, ob Fotos oder Nachrichten, er eingekauft hat und diese zusammen mit den erworbenen Produkten wieder mit nach Hause nehmen. Die Gründer des "Datenmarkts" versichern: Alle Daten werden nach dem Einkauf wieder aus ihrem System gelöscht. Je nach Produkt sind dies mal höhere, mal weniger hohe Datenmengen.

Ihren kleinen Laden versteht das Trio aus Werbe- und IT-Experten als Kunstexperiment zum Thema Datenschutz: "Wir wollen eine Sensibilisierung für das Thema schaffen und herausfinden, ob Menschen wirklich bereit sind, ihre Daten gegen Produkte einzutauschen", sagt Hoch. Nicht nur stellten sie fest, dass Menschen tatsächlich bereit sind, Persönliches gegen ein paar billige No-Name-Produkte preiszugeben, auch bemerkten sie, wie viel weniger Gedanken sich junge Menschen bei der Herausgabe ihrer Daten machen – "je jünger die Leute sind, desto eher sind sie bereit, alle ihre Daten dafür zu geben. Denen ist alles egal, die finden das cool", sagt Hoch.

Den Ort, eine edle Modeboutique in der hochfrequentierten Eppendorfer Landstraße, haben sie für das Experiment bewusst gewählt: "Die Leute erwarten, dass hier ein paar schicke Taschen im Schaufenster stehen, aber hier sind Milch und Toastbrot aufgebaut", sagt Manuel Urbanke. Der Kontrast könnte wahrlich kein stärkerer sein – Milch, Toastbrot und eingelegte Pfirsiche treffen hier auf teure Kleider, Schuhe und Handtaschen. Vor dem Schaufenster des "Datenmarkts" bleiben immer wieder Passanten stehen und blicken verwundert in den Laden. "Den Leuten ist zu Beginn überhaupt nicht klar, was das genau ist, ob es ein echter Laden ist, eine neue Kette oder ein Supermarkt der Zukunft", sagt Hoch.

Das Trio plant, das Daten-Experiment in anderen deutschen Städten fortzusetzen. "Ziel ist eine repräsentative Auswertung unserer Ergebnisse", sagt Urbanke. Noch bis Samstag, 22. Februar, kann im Hamburger "Datenmarkt" in der Eppendorfer Landstraße 60 eingekauft werden. Am letzten Tag gibt es sogar 50 Prozent Daten-Rabatt auf alle Produkte. Eine Packung Toast für nur noch vier Facebook-Likes – das klingt doch nach einem fairen Angebot!

Datenmarkt

Bis 22. Februar, Modeboutique Anita Hass, Eppendorfer Landstraße 60, Hamburg
http://datenmarkt.net/