John Constable - Stuttgart

Neues vom Wolkenmaler

In England gilt er als einer der bedeutensten Landschaftsmaler des frühen 19. Jahrhunderts. Trotzdem ist die Einzelausstellung von John Constable in der Staatsgalerie Stuttgart die erste ihrer Art in Deutschland. "Wolkenmaler" Constable entpuppt sich darin als überraschend modern.

Auch Cristofer Conrad mochte es zunächst nicht glauben. Kann es sein, dass es in Deutschland noch keine Einzelausstellung von John Constable (1776 bis 1837) gegeben hat? In England gilt er immerhin als einer der bedeutenden Landschaftsmaler des frühen 19. Jahrhunderts. Conrad, der an der Staatsgalerie Stuttgart für die Kunst von 1800 bis 1900 zuständig ist, hat recherchiert, aber nichts gefunden.

Die Staatsgalerie wird diese Lücke nun schließen und übernimmt die vom Victoria & Albert Museum in London eingerichtete Ausstellung "John Constable – Maler der Na­tur". Rund 80 Zeichnungen, Ölskizzen und Gemälde werden in Stuttgart zu sehen sein, darunter zwei Hauptwerke Constables, "Der Heuwagen" von 1821 und "Das springende Pferd" (1825). Nur wenige deutsche Museen besitzen Werke Constables. Dabei gilt er als Vorläufer des Impressionismus, der um 1900 auch in Deutschland einen wahren Boom erlebte. "Er ist aber nur als Wolkenmaler bekannt geworden", sagt Conrad, als ein Forscher und Naturempiriker, der die Bewegung der Wolken präzise studierte. "Aber das ist eine absolut verkürzte Sichtweise", meint er.

So wird die Ausstellung zwar auch den Wolkenmaler vorstellen, aber auch den "ersten richtigen Naturmaler", wie Conrad ihn nennt. Denn Constable habe sich von Vorbildern wie Claude Lorrain oder Thomas Gainsborough gelöst und versucht, die Natur ungefiltert wiederzugeben. Er machte in der freien Natur farbige Ölskizzen – "Stimmungsbilder“, so schwärmt Conrad, bei denen das Licht mit weißen Tupfen in die Farbe hineingemalt wurde – wie ein weißer Dunstnebel.

Beim "Jahrmarkt in East Bergholt" von 1811 wirken die Menschen, die zwischen den Zelten flanieren, wie getupfte Punkte, meint Conrad, "das ist irre modern" – schließlich war der Impressionismus damals noch weit entfernt. Das Victoria & Albert Museum bekam im späten 19. Jahrhundert von der letzten noch lebenden Tochter Constables dessen Nachlass und hat deshalb heute eine umfassende Sammlung.

Die Stuttgarter Station wird durch "Das Haus des Admirals in Hampstead" (1821/ 22) aus der Alten Nationalgalerie Berlin ergänzt, eines der wenigen Gemälde in einer deutschen Sammlung. Der Schwerpunkt wird aber auf den Skizzen liegen, die zeigen, dass es Constable mehr um die Atmosphäre der Natur ging als darum, ein vollendetes Glanzstück zu schaffen. Conrad hält die Ölskizzen deshalb für besonders wichtig – im Gegensatz zu Constable selbst. Er hätte sie nie gezeigt, zu seiner Zeit galten Skizzen als nicht ausstellenswert.

John Constable: Maler der Natur

Termin: bis 3. August 2011
http://www.staatsgalerie.de/