George Stubbs - München

Des Adels Lieblinge in Öl

Die erste umfangreiche Ausstellung des britischen Pferdemalers außerhalb Großbritanniens – mit nie gezeigten Arbeiten aus Privatbesitz

Pferde waren die große Leidenschaft von George Stubbs (1724 bis 1806). Um ihren Körper genau zu studieren, mietete sich der englische Maler für ein Jahr eine Scheune in Horkstow, um dort Schlachtpferde zu sezieren. Was er unter dem Fell der Tiere fand, dokumentierte er akribisch Schicht um Schicht in seinen Zeichnungen. 1766 gab er schließlich das vielbeachtete Buch "The Anatomy of the Horse" heraus.

Die wissenschaftlichen Studien machten sich bezahlt, denn nach seinem Umzug nach London avancierte der Sohn aus einer einfachen Handwerkerfamilie zum wichtigsten Tiermaler des 18. Jahrhunderts. Auftraggeber waren das britische Großbürgertum und der Adel. Viele von ihnen besaßen eine Pferdezucht und wollten ihre Lieblinge von George Stubbs in Öl verewigen lassen. Wie kein Zweiter verstand er es, die Eigenarten der Tiere herauszuarbeiten. Trotzdem geriet er im 19. Jahrhundert zunächst in Vergessenheit.

Die Neue Pinakothek präsentiert George Stubbs nun in einer umfangreichen Aus-stellung, der ersten außerhalb Großbritanniens. Zu sehen sind nicht nur Zeichnungen aus dem Anatomieatlas und seine berühm­ten Tierbilder, sondern auch Porträts, Genrebilder und Radierungen. Viele seiner Gemälde befinden sich noch im Privatbesitz der ehemaligen Auftraggeber. So musste der Kurator Herbert W. Rott erst einmal das Vertrauen der Adeligen gewinnen.
"Es war schwierig an die Sammler heranzutreten und ihre Bereitschaft zu erbitten, die Bilder ins Ausland auszuleihen – und dann auch noch nach Deutschland. Viele der Werke waren vorher noch nie in einer Ausstellung zu sehen", berichtet er über die Vorarbeiten, die ihn auch in britische Landhäuser und Schlösser geführt haben. Wichtige Kontakte vermittelte ihm die renommierte Kunsthistorikerin Judy Egerton, die das Werkverzeichnis zu George Stubbs publizierte. Ihr ist es mitzuverdanken, dass die Gemälde des einst verschmähten Künstlers auf Auktionen inzwischen Höchstpreise erzielen.

George Stubbs

Science into Art - Tiermalerei zwischen Wissenschaft und Kunst

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag und kostet 39,95 Euro

München, Neue Pinakothek
http://www.pinakothek.de/kalender/2012-01-26/10610/george-stubbs

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