Radar - Dorothee Richter

Dorothee Richter über Jeanne van Heeswijk

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Dorothee Richter, Leiterin des "Postgraduate Program in Curating" der Zürcher Hochschule der Künste, über die niederländische Künstlerin Jeanne van Heeswijk.
Radar: Jeanne van Heeswijk:Dorothee Richter über Ihre Lieblingskünstlerin

Jeanne van Heeswijk und Thomas Sackl: "Casco, Coffee and Communication", Utrecht 2001 bis 2002

Die Künstlerin, die ich hier vorstellen möchte, ist keine Unbekannte mehr: Jeanne van Heeswijk beteiligte sich bereits an der Biennale von Venedig und ist dieses Jahr Teilnehmerin bei der Shanghai Biennale. Es gibt wenige Künstler, die für mich eine so wache, erfrischende Position haben, wie van Heeswijk. Schon 1996 lud ich sie zu einem Kuratorensymposium in die Gesellschaft für Aktuelle Kunst nach Bremen ein, da ihre künstlerische Produktion zwischen kuratorischen und künstlerischen Anteilen changiert.

Sie hat in London das Projekt "Valley Vibes" in Zusammenarbeit mit Urbanisten von CHORA entworfen. Eine große mobile Einheit, der "Vibe Detector", bestückt mit Mischpult, Verstärker, Aufnahmemöglichkeiten, konnte von der Bevölkerung eines Londoner Stadtteils über Anzeigen ausgeliehen werden. Der "Vibe Detector" diente bei Schulbasaren, Vereinsfesten, privaten Parties als Musikanlage und Mischpult. Gleichzeitig zeichnete er einen Teil der Sounds auf und stellte so eine direkte Forschung zu dem Stadtteil her (East London, 1998 bis 2003).

Ich lud Jeanne van Heeswijk auch ins Künstlerhaus Bremen ein und unter dem Titel "Krachschlagen" sammelte sie Musik von Bands, den Philharmonikern, Chören und allen Musikern von Bremen, die sich beteiligen wollten. Einerseits erfüllte dies als übereinandergelagerte Soundcollage später in immenser Lautstärke den Projektraum – und reklamierte so einen Freiraum für die Kunst. Andererseits stellten wir eine CD als Edition her, auf der kurze Ausschnitte von allen Beteiligten zu hören waren, sowie die gemixte Soundcollage. Diese CD kursierte anschließend als kleines Give-Away durch die Stadt, denn alle Telefonnummern der Musiker, Gruppen und Chöre konnte man auf der Hülle finden.

Ein weiteres wunderbares Projekt von van Heeswijk ist das "Casco Mobil": ein Jahr begleitete dieses die Arbeit des Projektraums Casco und schuf auf vielfältige Weise eine Brücke zwischen dem Kunstort und der Bevölkerung. Casco, Coffee and Communication (Utrecht, 2001 bis 2002) gab den Vorübergehenden die Möglichkeit, bei einer Tasse Kaffee Kunst, soziale und poltische Themen zu diskutieren und Gedankengänge auszutauschen.

Und jetzt entwickeln wir mit ihr, im Rahmen des "Transfer Zone Institut für Theorie" der Zürcher Hochschule der Künste, ein Projekt, voraussichtlich in Zusammenarbeit mit dem Postgraduate Program in Curating, das ich in Zürich leite. Dabei wird es um Anrufungsszenarien, Subjektkonstitution und Architekturen gehen, sowie um vorläufige Gemeinschaften und vorläufiges Leben.