Luc Tuymans - München

Aus dem Rahmen gefallen

Der belgische Künstler Luc Tuymans performte am Samstag, zur Eröffnung seiner Ausstellung "Wenn der Frühling kommt" im Münchner Haus der Kunst, mit der Rockband "Monky Pussy". art schickte "Rolling Stone"-Kritiker Maik Brüggemeyer zur Vernissage.
Luc live:Tuymans performte zur Eröffnung seiner Münchner Schau

Die Wörter "Anachronismen" und "Modellwelten" schwirren einem durch den Kopf: Luc Tuymans (2. v. l.) live

Es ist eindeutig eine Vernissage. Kein Rockkonzert. Kaum ein Mensch unter Ende 30, kaum ein Kleidungsstück für Bewegung oder gar Transpiration geeignet. Und als die Antwerpener Band Monky Pussy die Bühne im Münchner "Haus der Kunst" betritt, scheint dies auch nur wenige der Gäste zu interessieren.

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Strecken Teaser

Viele wuseln noch durch die Nebenräume, um sich die Bilder der vor zwei Stunden eröffneten Luc-Tuymans-Ausstellung "Wenn der Frühling kommt" anzuschauen. Sogar der Veranstaltungsort selbst scheint sich nicht sonderlich um die Musik zu scheren und verschluckt sie einfach. Eine zähe drucklose Soundmasse quillt langsam aus den Lautsprechern. Die Gitarre viel zu erdig, der Gesang ein Radebrechen in einer fremden Sprache, der Rhythmus kraftlos.

Sänger Dimitri Brusselmans Bühnengebaren scheint aus dem Notstromaggregat des Pop gespeist. Müde auf klassische Rock-Poseure verweisend. Als er nach zwei Liedern für eine Gastperformance den "Maestro" Luc Tuymans auf die Bühne bittet, ändert sich für drei Minuten das Bild. Im schwarzen Anzug mit Lesebrille, Textzettel und etwa unbeholfener Minimalgestik links vom Sänger postiert, lässt Tuymans für einen Moment an Frieder Butzmann und die Genialen Dilletanten denken. Doch sein Vortrag – er knarzt mit verfremdeter Stimme mit Brusselmans im Duett – wirkt durchaus bestimmt. "I Don’t Get It" heißt der Song in Anlehnung an einen seiner Essays. Eine Art dunkler New Wave, wie er Ende der Siebziger von Bands wie Joy Division gespielt wurde: "Picture picture meets the eye / Picture picture my favorite sky uh-uh-uuh".

Die Wörter "Anachronismen" und "Modellwelten", die die Ausstellungsmacher in ihren einführenden Worten zu "Wenn der Frühling kommt" benutzten, schwirren einem durch den Kopf, das kalte Tuymans-Bild "Drumset" flackert vorm geistigen Auge: ein stark stilisiertes Schlagzeug in Grau, Violett und Blau, das sich nicht recht im Raum verorten lässt. Tuymans Performance hat etwas ähnlich Ortloses. Zwischen dem sich ins Spotlight drängenden Sänger und dem sich unkonkret im Raum verlierenden Sound der Musiker wirkt er, als sei er aus dem Rahmen gefallen.

Nach verhaltenem Applaus geht er ab, doch die Band spielt noch lange weiter. Und so mancher mag sich nach der elektronischen Musik gesehnt haben, die sonst häufig zu ähnlichen Anlässen unaufdringlich im Hintergrund pluckert und knurpselt. Schließlich ist man hier zu einer Vernissage erschienen und nicht zu einem schlechten Rockkonzert.

"Luc Tuymans – Wenn der Frühling kommt"

Termin: bis 12. Mai, Haus der Kunst, München.
http://www.hausderkunst.de/

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