Heinz Köster - Berlinale

Eine fast vergessene Legende

Heinz Köster wird heute als der Begründer der deutschen Glamourfotografie bezeichnet. Zu Lebzeiten galt er unter den deutschen Fotografen als eine Legende, nach seinem Tod hatte man ihn schon fast vergessen. Die neue Ausgabe der "Stern"-Edition präsentiert erstmals seine besten Arbeiten.
Berlinale 1954 bis 1967:Fotograf Heinz Köster – eine fast vergessene Legende

Sophia Loren, Yvonne de Carlo und Gina Lollobridgida, 1954

Der US-Star James Stewart 1962 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin: Lockere Haltung, smarter Anzug, ein keckes Lächeln vor einem Springbrunnen. So hat ihn der deutsche Fotograf Heinz Köster (1917 bis 1967) abgebildet, ebenso Hildegard Knef, lässig mit Zigarette auf einer Couch.

Es ist die besondere Nähe zu den Berühmtheiten des Films, die es ihm ermöglicht haben die Stimmung des Augenblicks festzuhalten: Romy Schneider mit einer Blume im Mund, Willy Brandt in ein Gespräch mit Douglas Fairbanks vertieft. Die Situation ist auf den Fotos auf einmal fassbar und menschlich. Doch waren seine Bilder immer ohne ästhetischen Makel, da Köster sie vor der Veröffentlichung retuschierte. Keiner, der sich von ihm fotografieren ließ, musste sich im Nachhinein Sorgen machen, ein unerfreuliches Bild von sich selber in der Zeitung wieder zu finden.

Köster ist der Begründer der deutschen Glamourfotografie, der seinen Modellen aber mit großem Respekt und Wohlwollen gegenüber trat. Sein Ziel war das Einfangen eines Traums, das Konservieren einer ganz bestimmten Situation im neu entfachten Glanz der Nachkriegszeit. Neben den klassischen Motiven zeigt er die Stars fernab vom roten Teppich: Hildgard Knef im strömenden Regen unter einem Sonnenschirm, Romy Schneider lachend zurückgelehnt an die Brust von Horst Buchholz.

Kösters Erfindung war sein "Kamerageweih"

Morgens fotografierte er die ankommenden Stars auf dem Flughafen, Mittags beim Lunch, und am Abend gesellte er sich dann auf den verschiedenen Partys, Premieren und Empfängen unter die Menge – und fotografierte. Nachts zog sich der engagierte Einzelgänger dann in sein kleines Atelier zurück und entwickelte die Fotos selber, um sie morgens in der Redaktion zu präsentieren. Nicht nur in Berlin, sondern in ganz Europa war Köster dort, wo er die Stars traf: bei den Filmfestspielen in Bayreuth, Cannes und Venedig.

Eine spezielle Erfindung Kösters war sein "Kamerageweih". Eine Konstruktion aus zwei verschiedenen Kameras und einem integrierten Blitz. Damit konnte er gleichzeitig ein Motiv aus verschiedenen Winkeln fotografieren und indirekt beleuchten. Zu Lebzeiten war Heinz Köster einer der berühmtesten Fotografen Deutschlands – heute kann sich hingegen kaum noch jemand an ihn erinnern. Bislang hat ihm noch niemand eine Ausstellung oder ein Buch gewidmet, in der man sich einen Eindruck über die Fülle seiner Arbeiten machen kann. Die Kinemathek in Berlin beherbergt sein immenses, doch bis jetzt nahezu unbeachtetes, Vermächtnis: 30 000 Fotografien. Jetzt, 42 Jahre nach seinem Tod, stellt der "Stern" erstmals die Arbeiten dieses zu unrecht vergessenen Pioniers der Glamourfotografie angemessen vor.

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