Liam Gillick - Bundeskunsthalle Bonn

Der die Katze sprechen lässt

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt eine Werkschau von Liam Gillick, dem umstrittenen Engländer, der Deutschland auf der letzten Biennale von Venedig repräsentiert hat

Schon allein die Tatsache, dass Deutschland zur Venedig-Biennale 2009 von Liam Gillick, einem Engländer, vertreten wurde, sorgte für Aufruhr. Seine Installation im deutschen Pavillon, bestehend aus dem Nachbau einer "Frankfurter Küche" der österreichischen Entwerferin Margarete Schütte-Lihotzky (1897 bis 2000) von 1920 und einer ausgestopften, monologisierenden Katze, wurde kritisch gesehen.

Die "Zeit" etwa urteilte "eher harmlos", die "Süddeutsche" befand "zu bieder", "zu eigenschaftslos", und die "Welt" "ein bisschen wirr und irr". Und art-Redakteur Ralf Schlüter urteilte in seinem Video auf der art-Website, Gillick habe eine "deutsche Arbeit abgeliefert", die im großen und ganzen aber "etwas Angestrengtes" habe. Gillick habe "eine Art Exorzismus" betrieben, den Geist der "Naziarchitektur auszutreiben" – "sehr viel Freude" aber mache die Arbeit nicht.

Wer die Biennale nicht besucht hat, kann sich jetzt in der Bonner Bundeskunsthalle selbst ein Bild machen: Denn die Biennale-Installation ist Teil der Einzelausstellung "Ein langer Spaziergang...Zwei kurze Stege..." des britischen Konzept- und Installationskünstlers. Eine "poetisch anmutende Text-Wandarbeit" so die Ankündigung, zitiert alle Werke, in denen Gillick mit Texten gearbeitet hat. Dazu gibt es in chronologischer Abfolge einen Überblick über seine Installationen von den frühen "McNamara Papers", in denen ein Tapeziertisch die Hauptrolle spielt, bis zum Biennale-Beitrag.

Ein paar spaßige Fragen und eine ernste

Michael Meredith, Lehrbeauftrager für Architektur an der Harvard Universität, hatte im Dezember 2009 ein Interview mit Gillick geführt, das teils ernste teils spaßige Äußerungen vereint. Auszüge:

Warum ein langer Spaziergang, zwei kurze Stege?


Weil ein langer Spaziergang auf einem kurzen Steg bedeutet, dass jemand nass wird.


Wer ist jetzt die Katze?

Es ist keine Katze. Es ist ein trauriges Logo für eine Ausstellung. Etwas, was man bei einer Sportveranstaltung bekommt. Möglicherweise ist das ein provinzielles Fussball-Maskottchen für eine Mannschaft, die nicht spielen kann.


Was ist das Besondere an der Bundeskunsthalle?
Im Winter gibt es da einen Aufkleber an der Tür mit einem durchgestrichenen Schlittschuh. Dies bedeutet: „Keine Schlittschuhe im Ausstellungsraum”. Ich habe niemals vorher daran gedacht, Schlittschuhe in einer Galerie zu tragen, aber in Bonn besteht diese Gefahr.


Darf ich Ihnen eine ernste Frage stellen? Schätzen Sie Ihre
eigene Kunst als spezifisch Post-Medial ein?



Während die Idee einer spezifischen Post-Medialität "wahr" ist, trägt sie doch nicht weit genug. Sie ist nicht in der Lage, in dieser fragmentierten Form, genug davon zu vermitteln, was wir die Eventualität der Materialien nennen könnten – die spezifischen Eigenschaften der Beziehungen der Materialität in verschiedenen Kontexten. Deswegen bin ich nicht Post-Medium. Ich glaube nicht, dass man sich zu sehr mit Material und Medium beschäftigen sollte. Ich denke immer in Beziehung zu materiellen Tatsachen, was bedeutet, dass ich nicht wirklich an einen "Effekt" oder eine „Idee“ denke, um dafür dann eine Möglichkeit des Ausdrucks durch die Wahl des Materials zu finden. Die Beziehung zwischen Materialien und Ideen ist untrennbar miteinander verbunden.
Die Interaktion des Subjekts wird durch den Typus des Werks, das produziert wird, vorausgesetzt. Ich gehe davon aus, dass eine Person mit einem Buch buchbezogene Dinge tun wird und sich auf ein sitzähnliches Objekt setzt. Aber Sie können das Buch auch auf einen Tisch legen oder in die Tasche stecken, oder Sie können sich den Sitz auch bloß anschauen. Sicherlich ist das Medium eine soziale Beziehung. Gerade weil ich Formen und Materialien nutze, die eine existierende Funktion und eine Reihe von Assoziationen in der Welt haben. Ich bemühe mich nicht, erhabene Strukturen zu schaffen.

"Liam Gillick - Ein langer Spaziergang... Zwei kurze Stege... "

Termin: bis 8. August 2010, Kunst- und Ausstellungshalle, Bonn. Katalog: 29 Euro

http://www.kah-bonn.de/

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