Feinkunst Krüger - Jubiläum

Ich glaube noch immer daran, dass sich Qualität durchsetzt

Die Hamburger Galerie "Feinkunst Krüger" feiert dieser Tage ihr 10-jähriges Bestehen. Unzählige Kunstliebhaber haben sich zur Vernissage der Jubiläumsausstellung eingefunden. art hat zu diesem Anlass den Galeristen Ralf Krüger zum sukzessiven Wandel in Hamburgs Kunstszene befragt.
Kristallationspunkt der Hamburger Kunstszene:Galerist Ralf Krüger im Interview

Blumen und Feinkunst zum Jubiläum: Gemeinschaftsarbeiten von Dennis Scholl und Patrick Farzar

Herr Krüger, Ihre Galerie Feinkunst Krüger wird zehn Jahre alt. Haben Sie schon Ihre Ansprache vorbereitet?

Nein, ich halte keine Reden bei meinen Ausstellungseröffnungen. Wenn man mich zwingt, dann würde ich mich einfach nur bei diversen Leuten bedanken. Bei meinen Künstlern und bei meinen Freunden, die mir über die Jahre immer wieder geholfen haben.

"Die Spirale scheint sich immer schneller zu drehen"

Gleich eine große Frage: Was hat sich denn in den letzten zehn Jahren verändert? In Hamburg, bei den Hamburger Künstlern, bei Ihnen?

Als ich anfing, war ich quasi der einzige, der sich um junge Hamburger Künstler kümmert. Das hat sich geändert. Es sind viel mehr Galerien dazugekommen. Und die Künstler werden immer jünger, es werden immer mehr Ausstellungen bereits mit Kunststudenten gemacht.

Ist das schon so wie bei Popstars, die kurz an die Spitze gejazzt und dann wieder fallengelassen werden?

Nein, so ist es noch nicht. Aber der Vergleich ist nicht ganz unpassend. Die Spirale scheint sich viel schneller zu drehen. Es ist ja irrsinnig, was heute schon für junge Künstler gezahlt wird, die gerade mal zwei Jahre auf dem Markt sind.

Ich habe mal den Spruch gehört: "Es gibt keine schlechten Künstler, nur faule Galeristen." Ist da was dran?

Der Ansatz ist richtig. Vieles wird heute hochgejubelt. Wenn man einen Galeristen, mit einer gewissen wirtschaftlichen Potenz und den richtigen Verbindungen hinter sich hat, kann man fast jeden Künstler hochbringen. Und das ist ja absurd. Ich glaube noch immer daran, beziehungsweise mittlerweile gar nicht mehr ganz so fest, dass letztendlich die Qualität sich durchsetzt.

Irgendwie haftet Ihrer Galerie nach zehn Jahren noch immer der Ruf an, ein Off-Space zu sein.

Ich sitze da zwischen den Stühlen. Ich bin kein Off-Space mehr, aber ich bin auch noch keine "richtige" Galerie. Weil zu einer "richtigen" Galerie auch die Künstlerbetreuung gehört. Ich mache alles alleine, habe nur eine Assistentin, die mir zwei Tage die Woche hilft, und wenn ich zwölf Ausstellungen im Jahr mache, dazu noch ein paar Projekte, fehlt mir dazu einfach die Zeit. Es nützt ja auch nichts, wenn ich sage, ich habe diese Künstler, kann sie aber nicht vernünftig betreuen.

Aber Ihre Galerie ist profitabel?

Ich lebe davon – aber ich bin auch genügsam. Ich habe Ausstellungen, die sehr gut laufen, und andere laufen weniger gut. Aber das liegt auch daran, dass ich mir offenhalten möchte, auch mal eine riskante Ausstellung zu machen. Ausserdem bin ich ja relativ preisgünstig.

"Ich bin einfach zu neugierig"

Warum fördern Sie eigentlich junge Hambuger Künstler – ist das Ihre soziale Ader?

Ich wohne in Hamburg, ich kenne die Künstler hier, ich bin Teil der Szene – und das wichtigste: Sie sind gut. Hamburg hat an Künstlern ein unglaubliches Potential. Das hatte es schon immer und wird es auch weiterhin haben. Man muss sich ja nur mal anschauen, woher die deutschen Stars wie Daniel Richter und Jonathan Meese kommen.

Viele junge Hamburger Künstler, wie Hennig Kles, Till Gerhard oder Jürgen von Dückerhoff, die Sie entdeckt haben, sind richtig groß geworden. Wie entdecken Sie eigentlich Ihre Künstler?

Naja, ich habe die ja weder entdeckt noch richtig groß gemacht. Mir war immer klar, dass aus denen was wird. Da musste man ja nur einmal richtig hingucken. Und das war dabei das Erstaunliche: Bei Till Gerhard haben hier in Hamburg alle gepennt. Heute hat er seine Galerien woanders – in Berlin, New York und Stockholm.

Viele Ihrer Künstler sind später zu anderen Galerien gegangen – ist das eigentlich schmerzhaft?

Die Zusammenarbeit war ja meist nicht so supereng. Und ich habe, wie gesagt, nicht die Möglichkeiten, mich so sehr um die Künstler zu kümmern. Dann ist es verständlich, dass die dann auch einfach mal weg sind. Natürlich nervt das manchmal. Aber das ist eben der Lauf der Dinge.

Rückblickend: Gibt es etwas, das Sie anders gemacht hätten?

Ich hatte schon ganz früh Kontakt zu Shepard Fairey – und den habe ich nicht weiter vertieft. Das hätte ich mal tun sollen. Da war ich nicht auf Zack.

Kleiner Ausblick in die Zukunft: Was passiert in den nächsten zehn Jahren?

Ich weiß es nicht. Vielleicht suche ich mir doch noch einen Partner und ziehe in die weite Kunstwelt. Oder ich mache einfach so weiter. Ich bin einfach zu neugierig, mir macht es Spaß, immer wieder etwas Neues zu entdecken.

„10 Jahre Feinkunst Krüger"

Termin: bis 12. Oktober, Westwerk, Admiralitätsstrasse 74, Hamburg.
http://www.feinkunst-krueger.de/