Kasper König - Bookmarks

Kabale und Liebe

Kasper König führte das Kölner Museum Ludwig unter die besten Museen der Welt. In einem schönen Buch wird das Resümee seiner zwölfjährigen Amtszeit gezogen.

Kasper König ist wahrscheinlich der einzige Museumsdirektor, der seinem Arbeitsvertrag eine wohlklingende Präambel voran stellen ließ.

"Von dem Willen geleitet", heißt es dort, "das Museum Ludwig wieder zu einem Ort der Kunst von internationalem Rang zu machen, von dem Gedanken getragen…" und so weiter in einer Feierlichkeit, die weder in die Zeit noch zu der jovialen Schnoddrigkeit zu passen schien, mit der sich König in seiner neuen Heimatstadt eingeführt hatte. Für alle, die es nicht glauben wollten, hängte er die Präambel gut sichtbar an die Wand seines Büros, und natürlich eröffnet sie auch den Katalog, den ihm sein Museum zum Abschied schenkte.

"Ein Wunsch bleibt immer übrig", so der Buchtitel, das ist nach zwölf-jähriger Amtszeit eine ziemlich gute Quote und ein geradezu altersweises Resümee. Am Anfang stand 2001 eine Ausstellung, in der Kasper König lauter Werke zeigte, die er gerne geschenkt bekommen hätte, und von denen dann tatsächlich viele im Museum blieben. Danach kamen bahnbrechende Ausstellungen (Matthew Barney, Rosemarie Trockel), aberwitzig erfolgreiche (Edward Hopper, Gerhard Richter), ein paar kuriose ("Kunst in Schokolade") und viele kleine und große, mit denen König sein Haus unter die besten Museen der Welt führte. Beim Blättern sieht man Christof Schlingensief bei Aufbauarbeiten zu, schaut einem Schotten mit Wolfgang Tillmans unter den Rock (das Plakatmotiv war der Stadt Köln dann zu heikel) und kann wahlweise in Bildern und Erinnerungen schwelgen oder König an seiner Präambel messen. Das Abschiedsbuch ist nämlich nicht nur ein Fotoalbum der glücklichen Großfamilie Museum Ludwig, sondern auch ein Rechenschaftsbericht.

Zugegeben, auch der fällt ziemlich harmonisch aus: Hinter die Rückkehr in die internationalen Museumsränge kann man ebenso ein Häkchen setzen wie hinter die Pflege (und gar nicht erwähnte Mehrung) der Sammlungsschätze und natürlich hinter das Versprechen auf "originäre Ausstellungen" zur aktuellen Kunst. Lediglich das mit der gestärkten Autonomie des Museums hat nicht ganz so geklappt; dazu stürzt sich König wohl einfach zu gerne ins kulturpolitische Scharmützel wo eher stille Diplomatie gefragt wäre.

Am schönsten an diesem Buch aber sind die Erinnerungen der Kuratoren. In ihnen zeigt sich Königs Arbeitsweise deutlicher als in jeder Ausstellungsansicht. So schildert Julia Friedrich, wie sie einmal zu ihrer eigenen Verblüffung mit der Idee zu einer Maria-Lassnig-Ausstellung bei König zunächst auf Granit biss. Es sei nie leicht gewesen, so Friedrich, "in diesem Haus eine eigene Ausstellung unterzubringen". Aber wer "durchs Feuer der Argumente" gegangen war, der wusste, dass er "das letzte Stück des Weges auch noch schafft". Und dann natürlich auch mit Hilfe eines Direktors, der telefoniert "wie ein Impresario": "Die Kollegin will eine Zeichnungsausstellung machen, Frau Lassnig, da müssen Sie aber Ihre Schubladen öffnen! Und zwar alle!" Im Geist dieses schönen Buches darf man vielleicht anmerken, dass man von derlei aufschlussreichem Klatsch gerne noch etwas mehr gelesen hätte.

Ein Wunsch bleibt immer übrig. 12 Jahre Museum Ludwig. Eine Auswahl.

Verlag der Buchhandlung Walther König, hrsg. & Einl. von Anna Brohm und Valeska Schneider, 368 Seiten, 660 Farbbilder, 38 Euro