Akt Now! - Aktfotografie

AKT NOW: Elias Wessel

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: der deutsche Fotograf Elias Wessel.
Akt Now: Elias Wessel:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Elias Wessel

Herr Wessel, was reizt Sie an dem Thema Akt?

Elias Wessel: Ich möchte mit meinen Bildern etwas erfahren, das unter die Haut geht und gleichzeitig Transzendenz schaffen, so dass dieses Gefühl auch den Betrachter erreicht. Es geht mir derzeit weniger um den Körper als formales Objekt, als vielmehr darum, Assoziationen und Emotionen beim Betrachter hervorzurufen. Zudem kommuniziere ich Inhalte und Charaktereigenschaften.

Eine meiner kürzlich veröffentlichten Arbeiten ist ein Porträt von Supermodel Omahyra Mota. Die gesamte Serie basiert auf Franz Kafka's "Verwandlung". Ich denke das Bild, das ich von Ihr in der Dusche fotografiert habe, gehört zu einem der ehrlichsten und interessantesten Porträts, das ich von Ihr kenne. Omahyra Mota gehört trotz ihres "cool-sexy-loud-chic-nude-bitch-punk-look" und ihres, zumindest für die Glamourwelt der Mode-, Musik- und Filmindustrie, unkonformen Auftretens, zu den gefragtesten Models dieser Zeit. Was ich allerdings in dem Porträt sehe ist nicht die Omahyra die jeder kennt. Ich sehe eine sehr ehrliche, subtile Zerbrechlichkeit und stille Zärtlichkeit die ich im Verlaufe des gesamten Shoots und danach an ihr gespürt habe und heute noch spüre, wenn wir uns treffen. Es entsteht eine Verbindung, Nähe und Vertrautheit die ich mit dem Akt kreieren und wiedergeben kann.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Es gibt Moral, Ethik und Sinn, aber keine Tabus. Das würde mich einschränken.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Durch das, was ein Akt oder Kunstwerk einzigartig macht. Was auch immer es sein mag: dessen Inhalt, Schönheit, etwas noch nie dagewesenes... Ich selbst kann keine klare Grenze definieren, wann ein Akt oder Kunst zu einem Kunstwerk werden. Es liegt hoffentlich im Auge des Betrachters, und für mich ist es oft ein Gefühl. Aber jedes Kunstwerk hat etwas erotisches.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Warum ich ein Bild oder einen Künstler liebe, resultiert oft aus dem Gefühl, das mir ein Bild oder ein Künstler gibt. Nicht unbedingt was ich wirklich sehe. Ich bewundere jeden der in der Lage ist, mit seinen Arbeiten und einem eigenen Stil seine eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, dass Persönlichkeit letztendlich das einzige ist, was einen Künstler einzigartig und interessant macht. So gesehen müsste ich Namen nennen die sicher jeder bereits kennt.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Ein Großteil meiner Arbeiten bewegt sich im Bereich der Modefotografie, aber sie sind – vor allem seit den letzten zwei Jahren – von sehr persönlichen Erfahrungen geprägt. Sie erzählen Geschichten. Möglicherweise ohne Anfang, Mitte oder Ende, aber sie erzählen etwas. Jedes meiner Bilder hat einen Sinn und ist niemals willkürlich.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich spreche nicht gerne über zukünftige Projekte, denn intensiv über sie zu diskutieren, nimmt mir letztendlich das Verlangen sie umzusetzen. Aber ich hätte gerne das Budget, um einen ganzen Zirkus mit rosa Elefanten, Clowns, Akrobaten, Pinguinen und Zauberern den Broadway entlang reiten zu lassen. Die Besetzung sollte aus hunderten von Musik- und Filmstars, Politikern und Ikonen der Modeindustrie bestehen. Nackt! Die Straßen sind milchüberflutet, das Empire State Building im Hintergrund steht in Flammen und vom Himmel regnet es Lametta aus echtem Gold.

"Elias Wessel"

Hochschule für Gestaltung, Offenbach am Main, 31 Jahre. Nächste Ausstellung: Sommer 2010, New York
http://www.EliasWessel.com
Info@EliasWessel.com