Les Rencontres d'Arles 2010 - Fotofestival

Von Schwer bis Scharf

Am 3. Juli wurde das Fotofestival "Les Rencontres d'Arles" zum 41. Mal eröffnet. Die Plattform für zeitgenössische Fotografie soll bis zum 19. September mehr als 60 000 Besucher in das kleine südfränzösische Städtchen locken. art präsentiert die Höhepunkte aller Ausstellungen.

"Les Rencontres d'Arles" hat einen neuen Präsidenten. Der ehemalige Direktor der französischen Nationalbibliothek Jean Noël Jeanneney ist seit diesem Jahr der erste Vorsitzende für das große Fotofestival in Südfrankreich. Und der sorgte gleich für einige Neuerungen.

Für den regen Austausch unter den professionellen Fotografen, den Fotokünstlern, Laien und Kunstinteressierten wurden die Eröffnungstage mit ihren zahlreichen weiterbildenden Angeboten auf zehn Tage ausgedehnt und das ganze Festival um eine zusätzliche Woche im September verlängert. Für die Verlage, Galerien und großen Institutionen der Fotografie hat sich Jeanneney das "Dorf" einfallen lassen. Während der Eröffnungstage sind die wichtigen Vertreter des Fotografiemarktes in diesem abgesteckten Gebiet in der Stadt Arles untergebracht. Der Direktor François Hébel ist nach wie vor für das Gesamtprogramm der Ausstellungen zuständig. Seit 2002 ist er für das Festival verantwortlich und hat aus "Rencontres" eine innovative Plattform für den Austausch in der zeitgenössischen Fotografie gemacht. Acht Jahre Hébel haben aus einer kleinen Zusammenkunft mit zehn Ausstellungen eines der wichtigsten europäischen Fotofestivals gemacht, das jetzt sogar ein Platzproblem in der kleinen Stadt durch die Besuchermassen bekommen hat. Die eigentliche Einwohnerzahl von Arles wird in den Wochen vom Juli bis September verdoppelt.

Der Direktor lädt jedes Jahr einen prominenten Gastkurator ein. Die Fotografin Nan Goldin und der Modedesigner Christian Lacroix waren es in den vergangenen zwei Jahren. Dieses Jahr werden 20 Gäste aus international angesehenen Institutionen, Sammler und Regisseure die sechs fotografischen Gebiete – Argentinien, Rock, "Film Fotografie", Freunde der Lumas Foundation, Changeover und Gefängnis – betreuen. Zum Thema Argentinien wurde ein Ehrengast eingeladen, der seine Arbeiten zum ersten Mal in Frankreich zeigen wird. Der 90-jährige Léon Ferrari, der eigentlich kein Fotograf, sondern Bildhauer und Installationskünstler ist, zeigt seine Bilder, in denen er das Medium Fotografie verwendet. Ferrari hatte schon Ausstellungen im Museum of Modern Art New York und im Reina Sofia Museum Madrid und wurde 2007 auf der Biennale in Venedig für den goldenen Löwen als bester ausländischer Künstler nominiert. Fünf weitere Künstler werden mit Ferrari zusammen den aktuellen Gemütszustand Argentiniens in der zeitgenössischen Kunst repräsentieren, den Hébel "als Fotografie, die zwischen der schweren und schmerzhaften Wiedergabe der kurzen Geschichte und der Suche nach einer eigenen Latino Identität" charakterisiert.

"Analoge Fotografie ist so gut wie verdrängt worden"

Das Thema Rock wird von der Gastkuratorin Emma Lavigne betreut, die sonst für die zeitgenössische Kunst im Centre Pompidou Paris zuständig ist. Lavigne inszeniert die Beziehung zwischen Musik und Fotografie unter anderem durch eine Ausstellung über den meistfotografierten Rockstar Mick Jagger. Das Leben und die Karriere des Musikers wird erzählt in Bildern der bekanntesten Porträtfotografen aus den letzten 50 Jahren. Eine weitere Ausstellung mit dem Namen "I am a cliché" – angelehnt an den Songtitel der Punkband "X-Ray Spex" – illustriert den Einfluss des Punkrocks auf die Fotografie, angefangen bei den sechziger Jahren bis heute, anhand von Andy Warhols "Screen Tests", dem Albumcover für "The Velvet Underground", und Arbeiten von Robert Mapplethorpe, Katharina Sieverding und Wolfgang Tillmanns, der wie Warhol Albumcover entwarf für Boy George und New Order. Auch die Entwicklung der digitalen Fotografie und den daraus resultierenden ästhetischen Konsequenzen wird bei "Rencontres" thematisiert. "Die analoge Fotografie ist von der digitalen Technik so gut wie verdrängt worden", bemerkt François Hébel. In der Ausstellung des chinesischen Künstlers Zhang Dali wird gezeigt, wie es von den fünfziger bis siebziger Jahren in China mit der Fotomontage zuging. Die mit Kleber und Schere manipulierten Dokumentarfotos stellt Dali nach einer fünf Jahre langen Recherchearbeit den Originalnegative gegenüber, und der Kanadier Michel Campeau erzählt in seinen poetischen Fotografien von den letzten Fotolaboren der Welt.

Der Höhepunkt für die jungen Nachwuchsfotografen ist der neue Lumas Prize Award. Fünf Mitglieder der "Core group" von Lumas Foundation, darunter der Künstler Liam Gillick, Hans-Ulrich Obrist und Beatrix Ruf, Direktorin der Kunsthalle Zürich, nominieren 15 junge Künstler, von denen der Sieger von nun an in jedem Jahr von einem bekannten Künstler gewählt wird. Dieses Mal vergibt das Künstlerpaar Fischli/Weiss das Preisgeld von 25 000 Euro an einen der 15 Nominierten. Selbstverständlich stellen Fischli und Weiss auch ihre Werke auf dem Fotofestival vom 3. Juli bis 19. September in Arles aus. Dem Besucher wird wieder ein vielfältiges und interaktives Programm geboten. Die Ausstellungen, die in der ganzen Stadt in historischen und sakralen Bauten beherbergt sind, sollten zusammen mit den zahlreichen Kolloquien, Filmvorführungen, Signierstunden und Portfoliosichtungen für jeden Geschmack etwas dabei haben.

"Les Rencontres d'Arles 2010"

Termin: bis 19. September, Arles, Frankreich
http://www.rencontres-arles.com

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