Wild Sky - Oldenburg

Sternschuppen

Der Blick in den Himmel und seine überraschende Nähe zur Konzeptkunst

Genau in die Sonne zu starren ist weder für die Augen gut, noch für die Karriere: Den „Operator #17“ kostete es seinen Job. Der libanesische Geheimdienstler wurde gefeuert, weil er täglich den Sonnenun-tergang filmte, statt weiter mit der Videokamera die Flaneure auf der Corniche zu observieren.

So will es zumindest die von Walid Raads "The Atlas Group" gestreute Legende, die in der Ausstellung "Wild Sky" die Sonnenuntergangssequenzen begleitet. Auch Lisa Oppenheim und Trevor Paglen spüren der Faszination nach, die vom Himmelsbild ausgeht: Oppenheim reproduziert alte Mondbilder von Daguerreotypien; Paglen hält in "The Other Night Sky" Spu-ren von militärischen Satelliten am Nachthimmel fest.

Kurator Michael Connor hat in Oldenburg aber keine Aneinanderreihung von ver­schiedenen künstlerischen Zugängen versammelt, sondern arbeitet sehr pointiert das Wesen der Himmelsbilder heraus. Herzstück der Ausstellung ist Ceryth Wyn Evans’ "With the advent of Radio Astronomy ... (Grey)", ein grauer Text an der Wand, der beschreibt, wie nach dem Aufkommen der Himmelsbeobachtung mit Radioteleskopen zahlreiche Galaxien und Sonnensysteme, die schon wissenschaftlich benannt und klassifiziert waren, als Staubspuren und Haarschuppen entlarvt wurden: Die Technik produziert eindrucksvolle Bilder, die aber eben auch täuschen.

Katie Paterson zeigt daneben in ihrer Karte "All the dead stars" alle 27 000 bekannten toten Sterne, deren Licht wir mit bloßen Augen am Nachthimmel sehen, die aber längst verglüht sind. Am Ende ist das Universum, das den gutgläubigen Blick eines Besseren belehrt, eben immer noch der beste Konzeptkünstler.

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