Top 10 im Juli - Ausstellungstipps

Die zehn Kunst-Höhepunkte im Juli

art präsentiert Ihnen die zehn großen Kunst-Höhepunkte des Monats Juli. Diesmal mit Richard Avedon, Badeanstalten, Richard Prince, Andreas Gursky, Neo Rauch, Jeff Wall, Otto Piene, Walker Evans, Max Uhlig, Max Liebermann, Ägypten und verschiedenen Sitzgelegenheiten.

Richard Avedon. Wandbilder und Porträts

Sein Beruf sei "seine Vorstellung von Himmel", hat der amerikanische Fotograf Richard Avedon einmal gesagt. Dennoch hat sein Werk alles andere als wolkige Aussichten zu bieten.

Er war der erste, der Haute Couture außerhalb des Studios fotografierte und wurde damit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Wegbereiter der Modefotografie. Seine Aufnahmen für die amerikanische "Vogue" sowie seine Werbekampagnen für Gianni Versace sind legendär und halten auch heutigen ästhetischen Ansprüchen stand. Dass er jedoch nicht nur ein Pionier der Modefotografie, sondern ein gefragter Porträtist war, der für Reportagen Aufnahmen der kulturellen und politischen Eliten Amerikas machte, demonstriert nun erstmals eine Münchener Ausstellung. In seinen großformatigen Serien manifestiert sich Avedons soziales Interesse, das ihn dazu brachte, sich in den sechziger Jahren auf Seiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu engagieren. Parallel entstanden vier fotografische "murals" (Wandbilder) in Schwarzweiß, die bedeutende Gestalten dieser Zeit überlebensgroß und in frontaler Position nebeneinander aufgereiht zeigen. Neben drei jener Wandbilder sind in der Ausstellung eine Auswahl von Porträts berühmter Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe, Francis Bacon, Brigitte Bardot oder Marcel Duchamp aus den fünfziger Jahren, der Werkkomplex "In The American West" sowie 1963 entstandene Fotos aus einer psychiatrischen Klinik in Louisiana zu sehen.

Museum Brandhorst, München, 18. Juli bis 9. November

Wir gehen Baden – eine Sommerausstellung (Berlin)

Die Vorstellung vom "Baden" ist eng mit drei Feldern verknüpft: dem Körper, der Hygiene und dem sozialen Vergnügen. Ob ein Gemeinschaftsbad im Hamam, vergnügliches Plantschen im Freibad, eine heiße Dusche zur täglichen Körperpflege oder das Verbundensein mit der Natur in offenen Wasserlandschaften von den Teichen Arkadiens bis hin zu den Paradiesen der Südsee, das Baden besaß in den unterschiedlichsten Kulturen und zu allen Zeiten stets pragmatischen sowie zeremoniellen Charakter. Hierin eingeschlossen sind neben der körperlichen Säuberung auch die innere Reinigung und der Mythos des Wassers als Jungbrunnen und Urelement allen Lebens. Dass das Motiv des Badens über die Jahrhunderte hinweg Einzug in die klassischen Künste nahm, demonstriert eine Berliner Ausstellung mit einer Auswahl von 100 Werken von Dürer über Degas bis zur Gegenwart, die die gesamte Bandbreite der kulturgeschichtlichen Facetten des Badens aufgreifen. Neben mythologischen, religiösen und allegorischen Geschichten, wie dem "Bad der Diana mit ihren Nymphen" oder "David und Bathseba", finden sich in den präsentierten Zeichnungen, Malereien und Karikaturen auch Alltagsszenen im kühlen Nass.

Kupferstichkabinett, Berlin, 4. Juli bis 26. Oktober

Richard Prince – It's a Free Concert (Bregenz)

Sex, Cars and Rock 'n' Roll sind bezeichnend für das Werk des amerikanischen Künstlers Richard Prince. Wurde er seit Ende der siebziger Jahre durch abfotografierte Werbeanzeigen und Bilder aus Verkaufskatalogen bekannt, die weder Schrift noch Logos erkennen ließen, finden heute vor allem seine Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Installationen Beachtung, die Aspekte der Populärkultur Amerikas aufgreifen. Hierzu zählen Porträts unterschiedlicher Gruppen von Subkulturen wie Rocker und deren "Girlfriends", Cowboys oder Krankenschwestern ("Nurses"). Oft greift Prince die gleichen Titel, Themen und Motive für seine Arbeiten auf, die er zuvor für andere Werkserien verwendete, was ein Erfassen seines gesamten Oeuvres schwierig macht. Speziell für das Kunsthaus Bregenz hat Prince nun eine Ausstellung konzipiert, die seinem Werk Kontinuität verleiht. So werden die populären Gemälde der Serien "Jokes" und "Cartoons" gezeigt, auf denen Witze in Form von Schriftbildern sowie Acrylzeichnungen in Siebdruckverfahren auf Leinwand übertragen wurden. Der Ausstellungstitel "It's a Free Concert" verweist dabei auf jene Werke, in denen sich zahlreiche Anklänge an Rock- und Popstars wie Bob Dylan, Jimi Hendrix und Bands des sogenannten Doo-Wop-Stils aus den fünfziger Jahren finden. Eine Verbindung von Musik und Straßenkultur schafft Prince mit seinen Auto-"Skulpturen", die Namen wie "Elvis" oder "The Doors" tragen.

Kunsthaus + KUB Arena, Bregenz, 19. Juli bis 5. Oktober

Andreas Gursky / Neo Rauch / Jeff Wall (Hannover)

Was haben die Fotokünstler Andreas Gursky und Jeff Wall mit dem Maler Neo Rauch gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Dennoch hat eine Ausstellung nun das zeitgenössische Künstlertrio unter einem besonderen Aspekt vereint. An ausgewählten Werken wird deutlich, dass die drei Künstler in je eigenen Ansätzen an die Tradition des darstellenden Bildes anknüpfen, diese weiterentwickeln und in anderen Medien aktualisieren. Ist in der Ausstellung zwar keine Malerei zu sehen, so werden von allen drei Künstlern traditionell mit der Malerei verknüpfte Mittel, Kategorien und Konventionen in Fotografien, Zeichnungen und Skulpturen überführt: Digital aus vielen Einzelansichten konstruiert, verdichten sich Gurskys inszenierte Fotografien von Hollywood-Superhelden in der Landschaft zu Bildern, die das Sichtbare ins Pathetische übersteigern. Bei Neo Rauch spiegelt sich das Malerische auch in seinen Zeichnungen und Skulpturen wieder. Spontan entstandene Skizzen zeigen Fabelwesen, traumartige Visionen und fantastische Metamorphosen, die aus seinem bereits malerisch ausgeformten Bildvokabular schöpfen – gleiches Prinzip bei Rauchs lebensgroßen Bronzeplastiken "Die Jägerin" und "Nachhut" von 2011. Jeff Walls Fotografien entwickeln sich im Spannungsverhältnis von kinematografischer Inszenierung und dokumentarischen Ansätzen. Obwohl die Aufnahmen unprivilegierte, alltägliche Gestalten abbilden, die banalen Tätigkeiten nachgehen, handelt es sich dennoch um bewusst komponierte, bildnerische Szenarien.

Kestnergesellschaft, Hannover, 25. Juli bis 26. Oktober

Otto Piene – More Sky (Berlin)

Licht, Luft, Feuer – das sind die Elemente in der Kunst von Otto Piene. Die Raster-, Rauch- und Feuerbilder, seine Lichträume und -ballette stehen symbolisch für die Sehnsucht des Künstlers nach der Verbindung von Natur, Wissenschaft und Technik mit der Kunst. Als große Avantgarde-Figur der sechziger Jahre gründete Piene die Künstlergruppe "Zero" mit und erweiterte als einer der ersten die Kunst in den Raum, in die Außenwelt und sogar in den Himmel. In Berlin verwandelt er jetzt die Neue Nationalgalerie jede Nacht in einen Lavalampe mit seiner Dia-Performance "The Proliferation of the Sun" (Die Sonne kommt näher). Sie wirft auf über 1000 handbemalten Glasdias farbig schillernde Formen in den Ausstellungsraum. Am 19. Juli bildet ein Sky-Art-Event das Highlight der Ausstellung. Mit drei bis zu 90 Meter hohen, illuminierten Luftskulpturen in Sternenform wird Piene den Berliner Nachthimmel beleuchten. Zeitlgleich vertiefte eine Ausstellung in der Deutschen Bank Kunsthalle den Blick und widmet sich mit Lichtgrafiken, eindrucksvollen Rauchbildern und großformatigen Lichtskulpturen den Frühwerken Pienes.

Neue Nationalgalerie, Deutsche Bank KunstHalle, Berlin, 17. Juli bis 31. August

Walker Evans – Ein Lebenswerk (Berlin)

Porträts von Farmerfamilien, verlassene Häuser, leerstehende Fabrikgebäude oder Schaufensterauslagen – den amerikanischen Fotografen Walker Evans faszinierten jene Sujets, die im Amerika der zwanziger Jahre für die Fotografie von geringem Interesse waren: die Zeichen und Symbole der kommerziellen Welt, eine anonyme Architektur und die vernachlässigten Randgebiete der industriellen Landschaft. Er benötigte nur wenige Jahre, um seine neue Vorstellung einer künstlerischen Fotografie auszuformulieren. 1935, als er von der amerikanischen "Farm Security Administration" beauftragt wurde, das Leben der von der Großen Depression betroffenen amerikanischen Landbevölkerung zu dokumentieren, hatte sich der Fotograf bereits einen Namen gemacht. Die Merkmale seiner Bildsprache: innere Distanz, dokumentarische Prägnanz und intellektuelle Schärfe. Mit über 200 Originalabzügen widmet sich eine Retrospektive nun Walker Evans' fotografischem Lebenswerk aus den Jahren 1928 bis 1974. Ob Architekturen des 19. Jahrhunderts, Bildreihen aus Tahiti und Kuba oder Auftragsarbeiten für die Zeitschrift "Architectural Forum" aus dem ländlichen Süden der USA – mit seinen nüchternen Aufnahmen zeichnete Evans ein authentisches Bild Amerikas.

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 25. Juli bis 9. November

Max Uhlig – Von der Natur gewachsen (Magdeburg)

"Für mich wird eine Sache interessant, wenn sie durch langes Anschauen fremd wird", formulierte der deutsche Maler Max Uhlig einst. Keine Aussage vermag sein malerisches und zeichnerisches Oeuvre besser zu beschreiben: Nach einem langen Prozess des Sehens, der den Ausgangspunkt seiner Bilder bildet, interpretiert der Künstler die Wirklichkeit neu. Abstrakt, diffus und gleichzeitig unfassbar interessant sind seine großformatigen Landschaftsgemälde und skizzenhaften Porträtzeichnungen, die Max Uhlig zu einem der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart machen. Seine Malerei lässt sich als ein Geflecht aus Linien und Pinselstrichen definieren, die auch als Uhligs "Energiegesten" bezeichnet werden. Neben großformatigen Landschaftsgemälden, die in den neunziger Jahren in Frankreich entstanden sind, zeigt eine umfassende Magdeburger Retrospektive kleine Landschaften der Siebziger, farbige Aquarelle nie gezeigter Straßenszenen der Achtziger sowie große schwarzweiße Tuschezeichnungen markanter Porträtköpfe.

Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg, 1. Juli bis 21. September

Max Liebermann und die Schweiz (Winterthur)

Als "Gerhard Richter seiner Zeit" wird der Maler Max Liebermann noch heute gefeiert, galt er doch als wohl wichtigster und höchstbezahlter deutscher Künstler vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Da wundert es, dass die erste Übersichtsschau zur deutschen Kunst der Moderne im Ausland, die 1953 unter dem Titel "Deutsche Kunst. Meisterwerke des 20. Jahrhunderts" im schweizerischen Kunstmuseum Luzern stattfand, ausgerechnet den "deutschesten der deutschen Künstler", so Wilhelm Bode, ausschloss. Die Ausstellung folgte dem sich damals konstituierenden Weg der Avantgarde von Lovis Corinth über die "Brücke" und den "Blauen Reiter" bis hin zum Bauhaus und der Nachkriegsabstraktion. Sämtliche dort gezeigten Künstler galten während Hitlers Diktatur als entartet, so dass die BRD mit den präsentierten Werken symbolisch auf die Zeit des Aufbruchs, des Enthusiasmus und des Wirtschaftswunders hinweisen wollte. Liebermann passte da wohl nicht so richtig rein: Zum einen war er durch die Etikettierung als "Impressionist" zu wenig modern, zum anderen konnte man mit Liebermann nicht wie mit Vincent Van Gogh oder Paul Klee eine Lebensgschichte erzählen, in der das Ringen um Kunst und Anerkennung mit einem ökonomischen Leidensweg verknüpft war. Mit der ersten Retrospektive in der Schweiz seit rund 70 Jahren soll die Leerstelle "Liebermann" von damals nun endlich gefüllt werden. Mit über 80 Gemälden, Pastellen und Zeichnungen aus allen Schaffensperioden, gibt das Museum Oskar Reinhart einen umfassenden Einblick in das Oeuvre des Künstlers.

Museum Oskar Reinhart, Winterthur, 4. Juni bis 19. Oktober

Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen. Meisterwerke aus dem Museo Egizio Turin (Völklingen)

Der Übergang vom Leben zum Tod und das Leben nach dem Tod spielten bei den alten Ägyptern eine zentrale Rolle. Für keine andere Kultur war der Traum vom ewigen Leben über Jahrtausende hinweg Motor eines Begräbniskults, der unzählige Kunstwerke für das Jenseits entstehen ließ. So wurde, zum großen Glück zeitgenössischer Archäologen, balsamiert, konserviert und bandagiert, was das Zeug hielt. Unzählige Sarkophage, kostbare Grabbeigaben und verschrumpelte Mumien sind als Erbe jener Kultur geblieben, deren archäologische Aufschlüsselung die Forscher noch heute in Atem hält. Bereits 1824 hatte der Savoyer König Carlo Felice von Sardinien für eine astronomische Summe die 5268 Funde umfassende altägyptische Sammlung des französischen Konsuls Bernardino Drouvetti erworben und das Museo Egizio in Turin gegründet. 250 jener Exponate lassen in einer Ausstellung nun 4000 Jahre altägyptische Hochkultur lebendig werden. Die Ausstellungsstücke erzählen von Göttern, gottgleichen Königen, Pharaonen, von hohen Priestern und Hofbeamten, aber auch von den Menschen und ihrem Alltag.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Völklingen, 25. Juli bis 22. Februar 2015

Hocker – Stuhl – Sessel (Salzburg)

Es gibt ihn in den unterschiedlichsten Varianten: mal ist er rund, mal eckig, gepolstert oder hart wie Stahl, mal mit, mal ohne Lehne, hölzern oder metallisch, beweglich oder starr – Der Stuhl hat sich in den letzten Jahren vom alltäglichen Nutzgegenstand zum Design-Objekt gemausert. Bereits im Leben und in der Kunst des Mittelalters war der Stuhl mehr als ein simples Instrument zur Entspannung: Ein prunkvoll, ausladender Thron oder ein gemütlicher Ohrensessel waren für den Herrscher ein unverzichtbares Requisit, das ihm Glanz und Glorie verlieh. In Gemälden und Fotografien nahm der Stuhl in diversen Ausprägungen unterschiedliche Bedeutungsebenen an: Verweist ein leerer Stuhl auf die Abwesenheit einer Person, kann der umgeworfene Stuhl für Konfliktsituationen stehen oder der idyllische Gartenstuhl als Objekt der Ruhe fungieren. Dem Stuhl in der Kunst widmet sich nun eine umfassende Ausstellung mit einer Vielzahl von Kunstwerken, die Sitzgelegenheiten thematisieren. Künstler wie Maria Lassnig, Erwin Wurm, Martin Kippenberger und viele andere haben in Grafiken, Fotografien, Videos und außergewöhnlich konstruierten Sitzmöbeln den Stuhl zum Kunstobjekt erhoben.

Galerie im Traklhaus, Salzburg, 16. Juli bis 13. September

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