David Shrigley - In Mainz

Tragisch oder zum Totlachen?

Der schottische Zeichner David Shrigley stellt in der Kunsthalle Mainz aus
Albern und abgründig:die Zeichnungen des Schotten David Shrigley

David Shrigley: "Ohne Titel (Colour Face)", 2008

Kopffüßler werden in seinen Bildern von Pistolen bedroht, und geometrische Grundformen müssen sich gemeine Beschimpfungen gefallen lassen. Menschliche Wesen sind bei ihm stets auf so anrührende Weise missgestaltet, dass man nie genau weiß, ob sie die ganze Tragik des Menschseins zum Ausdruck bringen oder einfach nur zum Totlachen sind.

Ähnlich verhält es sich mit den plumpen Buchstaben, mit denen David Shrigley bisweilen seine Bildinhalte erklärt: Da wird eine Form, die ebenso gut Italien hätte darstellen können, als "Moonboot" definiert oder ein grünes Quadrat mit Augen als Frosch bezeichnet. David Shrigley hat jetzt in Mainz seine erste umfangreiche Einzelschau in Deutschland, in der auch seine Zusammenarbeit mit dem britischen Kollegen Jonathan Monk dokumentiert wird.

Shrigley ist ein Meister des Unprätenziösen, seine Kritzelzeichnungen fertigt der Schotte, der sich von Graffiti ebenso inspirieren lässt wie von gefundenen Einkaufszetteln, mit leichter Hand. Was nicht bedeutet, dass er gelungene Werke auf Knopfdruck produziert. Shrigley zeichnet von morgens bis abends vor sich hin, erfindet Albernes oder Abgründiges, um anschließend den größten Teil wegzuwerfen. Das Intuitive kann man eben nicht planen, doch dem 41-Jährigen, den Musikliebhaber auch für seine bezaubernden Videoclips für die Britpop-Band Blur oder Bonnie "Prince" Billy (der US-Musiker Will Oldham) schätzen, ist es wichtig, so einfach und direkt wie möglich zu kommunizieren.

Daher ist ihm auch kein Bildträger zu profan, ob Salz- und Pfefferstreuer, Kaffeetasse oder – wie zuletzt – eine Skateboardrampe in Malmö. Nebenbei formt Shrigley traurige Figuren aus Bronze oder missglückt aussehende Vasen aus Keramik und gestaltet Poster für Beerdigungen oder Band-Auftritte. Der Schriftsteller Will Self hat es einmal so formuliert: Nachdem man eine große Zahl dieser Zeichnungen gesehen habe, scheine keine andere Realität mehr zu existieren als die von Shrigley beschriebene: "Riesige mürrische Hunde streunen durch die Gegend und verbieten dir, ihren Deostift zu benutzen."

David Shrigley: "New Powers – Neue Kräfte"

Termin: 22. August bis 8. November
http://www.kunsthalle-mainz.de/