Lucas Cranach d. Ä. - Frankfurt/Main

Der Maler der Reformation

Das Städel-Museum wartet mit einer der bedeutendsten Kunstausstellungen dieses Jahres in Deutschland auf: Über hundert Meisterwerke des Renaissance-Künstlers aus Wittenberg hat es aus eigenen Beständen und aus aller Welt in Frankfurt am Main zusammengetragen
Überwältigende Anmut:Das Städel-Museum zeigt über hundert Meisterwerke

"Gastmahl des Herodes", 1533, 80 x 113 cm, Öl auf Lindenholz

Er malte Altäre und Jagdszenen, erfand neue Bildtypen für den reformierten Glauben und lieferte seinem Dienstherren Wandmalereien und Festdekorationen en masse. Am liebsten jedoch, so heißt es, malte Lucas Cranach der Ältere (1472 bis 1553) Frauen. Gerne auch nackt und immer von überirdischer Zartheit. Akribische Proportionsstudien waren allerdings nicht seine Sache. Cranach erfand stattdessen seinen eigenen, zierlich gebogenen Idealtypus, der von ebenso verführerischer wie unnahbarer Eleganz ist.

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Venus zum Beispiel, die im Begriff ist, dem Honig stehlenden Amor über den Kopf zu streichen, trägt zur leuchtend weißen Nacktheit ihres wohl geformten Körpers den feinen Federhut adliger Damen. Auch Caritas, die Gute, wurde vom Hofmaler Friedrichs des Weisen 1534 nackt und engelsgleich zwischen diverse Kleinkinder platziert, zart geschminkt und mit adretter Frisur versehen.

Selbst Lucretia, die tugendhafte Römerin, die sich aus Scham über ihre Vergewaltigung umbrachte, ist bei Cranach von überwältigender Anmut – und das, obwohl sie sich gerade den Dolch in den Leib bohrt. Neben zahlreichen von Cranachs Damen versammelt die umfangreiche Ausstellung im Frankfurter Städelmuseum auch diverse Figuren aus Mythologie und Religion wie den geköpften Herodes, Christus mit Dornenkrone oder Maria Magdalena, die im roten Prachtkleid mitten in der Landschaft steht. Allesamt Bilder, die von großer Detailfreude und Variationsfähigkeit zeugen.

Zahlreiche Motive – darunter das Urteil des Paris oder die Taten des Herkules – wurden vom Maler und seinen Helfern in verschiedenen Variationen angefertigt. Hierfür hatte der Künstler, über dessen Herkunft kaum mehr bekannt ist, als dass er aus dem fränkischen Kronach stammt, einen Werkstattstil entwickelt, der von den Mitarbeitern so perfekt umgesetzt wurde, dass es heute kaum möglich ist, die verschiedenen Beteiligten nachzuweisen.

Insgesamt sind in Frankfurt mehr als hundert Meisterwerke des geschäftstüchtigen Malers zu sehen, der neben seiner Werkstatt in Wittenberg auch über eine Apotheke mit Weinausschank verfügte, zeitweise an einer Druckerei beteiligt war und als produktivster deutscher Künstler zu Beginn der Neuzeit gilt. Gezeigt wird auch das legendäre, in Serie gefertigte Porträt von Martin Luther, das noch heute unsere Vorstellung des Reformators prägt.

Cranach der Ältere

Die Ausstellung eröffnet am 23. November und läuft bis 17. Februar. Vom 12. März bis 8. Juni 2008 ist sie in der Royal Academy of Arts in London zu sehen; Katalog: Hatje Cantz Verlag, 34,90 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro

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