Gavin Brown - New York

Alle Macht den Veganern!

In einer alten Schlachterei in Manhattan lässt Galerist Gavin Brown seine neuen Galerieräume von Künstler Jonathan Horowitz zu einem Kabinett veganischer Weltsicht umgestalten. In seinem alten Domizil verlegt Martin Creed teuren Mamor.

Neben Kühen und niedlichen Schweinen blicken Prominente wie Brooke Shields, Mr. Spock oder Annie Lennox die Besucher von den weißen Kachelwänden an. Zur Einweihung seiner neuen, erweiterten Galerie in einer ehemaligen Schlachterei lud der New Yorker Kunsthändler Gavin Brown den Künstler Jonathan Horowitz ein, seine "Go Vegan!"-Ausstellung neu zu installieren.

Erst vor kurzem hatte die Schlachterei Pat LaFrieda Meats den Betrieb auf der Washington Street im West Village aufgegeben. Und so roch es in den ehemaligen Kühlräumen und Hallen zur Weiterverarbeitung des Schlachtviehs immer noch nach Fleisch.

Horowitz hatte Fotos von 200 prominenten Vegetariern aus dem Internet heruntergeladen und ihre Bilder auf Sperrholzplatten ziehen lassen. Er selbst hörte mit 12 Jahren auf, Fleisch zu essen, nachdem ihn seine Eltern beim Mexiko-Urlaub mit zu einem Stierkampf genommen hatten. Auf zwei auf Metzgertischen platzierten Monitoren laufen ein Film von der Tierschutzorganisation "Peta", der den qualvollen Tod von Schlachtvieh dokumentiert, und ein absurd wirkendes Heile-Welt-Video, das die überzeugten Vegetarier Paul und Linda McCartney beim Reiten auf ihrem schottischen Landsitz zeigt. "Wenn Schlachtereien Glaswände hätten, wäre jeder Vegetarier" steht als Zitat der beiden an der Wand. An der Tür im Nebenraum hängt mahnend ein weißer Schlachterkittel am Haken. Ein von Norman Rockwell gemalter Thanksgiving-Truthahnbraten schmückt die Wand des früheren Kühlraums. Für diejenigen, die es immer noch nicht begriffen haben, wird ein in Wasser schwimmendes Stück Tofu auf einem Podest zelebriert.

Neben Urs Fischer, der in der Vergangenheit Browns Galerie in ein Erdloch verwandeln durfte, Peter Doig, Jeremy Deller oder Elizabeth Peyton gehört der New Yorker Horowitz zu Browns Enterprise. 2008 hatte er die Galerie in ein alternatives Wahlkampf-Büro für Präsident Obama umfunktioniert. Die ursprünglichen Galerie-Räume auf der Greenwich Street übernahm der schottische Künstler Martin Creed, der gern mit minimalistischen Ideen und Musik spielt. Der Turner-Prize-Gewinner von 2001 verlegte die Kunst ganz einfach auf den Boden. Marmor in 120 unterschiedlichen Farben und Arten zieht seine kühlen Bahnen durch die Räume. Ein fantastisch dekadentes, rhythmisches Farbspiel, mit dem sich betuchte Sammler ihr Zuhause auslegen können. Die Marmor-Arbeit ergänzte der 42-jährige Creed mit dem Schwarz-Weiß-Video einer auf und nieder gehenden Erektion – im Takt dazu öffnen und schließen sich die schwarzen Vorhänge am Fenster und eine Violinistin spielt die Tonleiter auf und ab.

Mit Creeds Arbeiten und dem Schlachtruf "Go Vegan!" geht Galerist Brown in Zeiten, in denen andere lieber sparsam denken, auf Expansionskurs. Im Vergleich zur Kunst scheint das Geschäft mit dem Fleisch auf jeden Fall mehr als solide zu sein. Ursprünglich hatte die Fleischerei LaFrieda versucht, ihr Gebäude an der Washington Street für 31 Millionen Dollar zu verkaufen. Auch sie ist auf Expansionskurs und bezieht eine größere Fleischfabrik in New Jersey. Doch in New York ist es keine gute Zeit für Immobiliendeals, was der Kunst zu Gute kam. Weil der Schlachterbetrieb keinen Käufer finden konnte, entschloss man sich dazu, an Gavin Brown zu vermieten.

Jonathan Horowitz & Martin Creed

Termin: bis 19. Juni bei Gavin Brown's Enterprise, New York
http://www.gavinbrown.biz