Düsseldorf - Albert Oehlen

Götterdämmerung in Düsseldorf

Markus Lüpertz, "Malerfürst" und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, geht in den Ruhestand, und wie art nun erfuhr, wird auch Albert Oehlen, Professor für Malerei, keine neuen Meisterklassen mehr unterrichten und möchte die Hochschule bereits zum nächsten Semester verlassen. Bei dem alljährlichen Akademie-Rundgang (bis 15. Februar) ist die Stimmung jedoch noch betont gelassen. Nur die Fotoklasse von Christopher Williams versprüht einen Hauch von Aufbruchstimmung.
Götterdämmerung in Düsseldorf:Albert Oehlen verlässt die Kunstakademie

Eine Arbeit aus der vorerst letzten "Klasse Oehlen": Alexander Warhus: "o.T.", 2008, Öl auf Leinwand

Die jährliche Leistungsschau zum Semesterende lockt Jahr für Jahr rund 30 000 Kunstfans in die Ateliers und Klassen der Hochschule, an der so namhafte Professoren wie Tony Cragg, Rosemarie Trockel und Peter Doig unterrichten.

Dabei sieht es gerade für den Fachbereich Malerei schlecht aus: Niemand konnte die Lücke, die der Tod von Jörg Immendorff im Jahr 2008 aufriss wirklich füllen. Jetzt geht Markus Lüpertz, der die Kunstakademie seit 1988 leitete, in den Ruhestand – und verabschiedet sich mit einer letzten Ausstellung ("Skulls", ab dem 14. April) in der Akademie-Galerie von seinem Amt. Wie art aus gut unterrichteten Quellen erfuhr, wird nun auch Albert Oehlen, 55, ab dem kommenden Semester keine neuen Meisterschüler mehr unterrichten und möchte bereits zum kommenden Semester die Hochschule verlassen.

Mit Oehlen, der im Jahr 2000 als Professor berufen wurde, verliert die Kunstakademie Düsseldorf einen weiteren Maler mit internationalem Renommee. Der Fachbereich Malerei wird künftig also noch von dem schottischen Künstler Peter Doig, dem israelischen Maler Tal R., den alten "Neuen Wilden" Siegfried Anzinger und Herbert Brandl, sowie dem einstigen Lüpertz-Schüler Reinhold Braun geleitet. Eventuelle Nachfolger gibt es noch keine, heißt es lapidar aus der Pressestelle.

Bei dem alljährlichen Akademie-Rundgang (bis 15. Februar) läuft jedoch erst einmal alles wie gehabt: Verspielt und gutgelaunt stellen die Absolventen der Klasse Oehlen ihre Abschlussarbeiten vor – düstere Ölfratzen von Henning Straßburger und farbspeiende Vögel von Niemann. Unter dem ungewöhnlichen Titel "Massagesalon ist geschlossen" hat die Koreanerin Hyojin Jeong feine, kleine Zeichnungen zu einer Lebensgeschichte komponiert: "Ein Kunde hat seinen Bademantel vergessen" heißt ein Blatt, ein anderes "Fußreflexzonen", und auf einer Serviette steht das Rezept für einen "Mai-Thai-Cocktail". Michail Pirgelis zeigt monumentale Flugzeug-Objekte. Quer im Raum hat er die zehn Meter lange Heckflosse eines Airbus platziert. Als Leihgabe aus dem Ersatzteillager des Flugzeugbauers in Hamburg wird sie dorthin zurückkehren – ein Vorgang, der dem technischen "Fertigteil" auf Dauer eine Aura verleihen wird, meint Pirgelis. "Es ist doch ein interessanter Gedanke, in einem Flugzeug zu sitzen und zu überlegen, ob dessen Heckflosse mal das Kunstwerk war."

Trash-Trend – und ein Hauch von Aufbruchstimmung

Neben aufdringlichen Werken im Trash-Trend stößt der Besucher beim Streifzug durch die Akademie aber auch auf ganz stille Arbeiten. Eine stammt von Roshni Grunenberg, die längliche Flusskiesel zu einem Relief arrangiert hat. Linda Nadji arbeitet ausrangierte Alltagsdinge wie Briefumschläge zu Wandbehängen um, und Erika Wakayama hat unterschiedlich löchrige Socken auf der Wäscheleine fotografiert. Von Daniel Struzyna sind genähte "Organismen" zu sehen, die wie quietschfidele Farbkleckse an der Wand hängen, Vanessa von Wendt malt dionysische Stillleben in großzügigem Gestus, und Heiko Räpple präsentiert geheimnisvoll geschlitzte, gequetschte und gespaltene Betonreliefs.

Frischer Wind weht aber eigentlich nur durch die Fotoklasse der Akademie, an der einst heutige Weltstars wie Ruff, Gursky oder Höfer studiert haben. Die Neubesetzung des Lehrstuhls mit dem US-Amerikaner Christopher Williams hat – wie ein Student sagt – für "begeisterte Aufbruchstimmung" gesorgt. Dies ist der Präsentation wohltuend anzumerken, obwohl sich der Einfluss des aus der konzeptuellen Fotografie kommenden Lehrers sichtbar niederschlägt. So bieten die 25 Fotostudenten auf einer Pinnwand den Besuchern ein erzählerisch-assoziatives Miteinander aus Kinderzeichnungen, Zeitungsartikeln und Lexikoneinträgen.

Mit Material von Antje Lorscheider, dpa

"Akademie-Rundgang"

Termin: bis 15. Februar, Kunstakademie Düsseldorf, Eiskellerstraße 1, Düsseldorf
http://www.kunstakademie-duesseldorf.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de