Skulptur Projekte 07 - Münster

Geschichte von oben

In Münster hat der Kulturausschuss die Übernahme zweier Kunstprojekte abgelehnt. Weil sie zu politisch für den Stadtraum sind?
Ausgemustert:Wagner und Rosler zu politisch für Münster?

Mit "Münsters Geschichte von unten" will sich die Stadt nicht länger auseinandersetzen: Der Kulturausschuss hat eine Übernahme von Silke Wagners Denkmalentwurf für den Polit-Aktivisten Paul Wulf abgelehnt

Der Kulturausschuss der Stadt Münster hat eine Übernahme der beiden Projekte von Silke Wagner und Martha Rosler, die im Rahmen der diesjährigen "Skulptur Projekte" entstanden sind, abgelehnt. Das teilen die Organisatoren der am 30. September zu Ende gegangenen Ausstellung mit. Eine eigens gegründete Kunstkommission hatte der Stadt insgesamt neun Kunstwerke zur Übernahme empfohlen.

10763
Strecken Teaser

Silke Wagners Arbeit „Münsters Geschichte von unten“ versteht sich als Denkmalentwurf für den sozial und gesellschaftspolitisch engagierten Aktivistin Paul Wulf, der 1938 von den Nazis zwangssterilisiert worden war und sein Leben lang für eine rechtliche Entschädigung kämpfte.

Auch die amerikanische Polit-Künstlerin Martha Rosler nimmt mit ihrem Beitrag „Unsettling the Fragments“ Münsters Geschichtspolitik in den Blick. Für die "Skulptur Projekte 07" setzte sie vorgefundene Architekturelemente in eine neue Umgebung. Für einen dauerhaften Verbleib empfahl die Kunstkommission ein aus den dreißiger Jahren stammendes Adlerrelief, das Rosler vor den so genannten Münster Arkaden in der Innenstadt platzierte.

Die Übernahme beider Arbeiten wurde auf Antrag von CDU und FDP abgelehnt. „Dass gerade diese beiden Projekte nun abgelehnt worden sind, halte ich für ein falsches Signal und fatal für das Image der Stadt“, sagte Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und Vorsitzender der Kunstkommission.

In Münster bleiben dürfen die Arbeiten von Guillaume Bijl, Martin Boyce, Mark Wallinger, Rosemarie Trockel, Susan Philipsz, Bruce Nauman und Hans-Peter Feldmann. Seit Gründung der "Skulptur Projekte", die seit 1977 im Zehnjahresrhythmus Kunstprojekte im öffentlichen Raum realisieren, konnten insgesamt 39 Arbeiten dauerhaft in der Stadt installiert werden.

Mehr zum Thema im Internet