Michael Beutler - Kunsthalle Baden-Baden

Ahnung einer Ausstellung

Statt vollendete Artefakte zu präsentieren, hat Michael Beutler die Kunsthalle Baden-Baden in eine sympathische Produktionsstätte verwandelt: zum Auftakt der Reihe "7 x 14".

Als Klaus Gallwitz Ende der sechziger Jahre junge Künstler einlud, die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zu bespielen, kam es durchaus vor, dass sie nachts ihren Schlafsack ausrollten und mitten in den Ausstellungsräumen schliefen. Das ist heutzutage eher unwahrscheinlich, Michael Beutler hat aber zumindest seine komplette Werkstatt aufgebaut.

Mitten im großen Saal, dem Herzstück des Hauses, stehen nun eine eigenwillige Druckmaschine und eine patentreife Klebeanlage, eine Papierwölbungsvorrichtung und diverse Walzen, die mit Hosengummis angetrieben und mit Farbeimern beschwert werden. Heimwerker können staunen, wie Michael Beutler aus ein bisschen Holz und Spaxschrauben, ein paar Stangen und viel Fantasie Gerätschaften baut, mit denen man Papierbahnen schnell und effizient einfärbt, schneidet und verklebt.

Michael Beutler, 1976 in Oldenburg geboren, bezieht sich in seiner Kunst nicht nur auf die Architektur der Ausstellungsräume, sondern arbeitet auch stets vor Ort. Deshalb ist er der ideale Kandidat, um das Ausstellungsprojekt "7 x 14" der Kunsthalle Baden-Baden zu eröffnen. In Anlehnung an Klaus Gallwitz’ Reihe "14 x 14", die von 1968 bis 1973 stattfand, hat die Direktorin Karola Kraus das Konzept aufgegriffen und modifiziert. Nachdem zunächst – wie berichtet – die bekanntesten Namen von "14 x 14" gezeigt wurden, hat nun die zweite Runde
begonnen: Sieben Künstler werden jeweils zwei Wochen lang die Kunsthalle bespielen – wobei der Aufbau Teil des Konzeptes und also öffentlich ist.

Das Handwerkliche der Kunstproduktion

Michael Beutler setzt zwar auf seine Intuition und seinen ersten Eindruck bei der Begehung der Räume, aber lässt Assistenten und Zufall mitarbeiten bei seinen Objekten aus billigsten Materialien. Für Baden-Baden hat er für jeden Raum eine Art Pavillon aus festem Papier konzipiert, der den Fokus auf die Oberlichter der Säle lenkt. Beutlers Vorbild ist Daniel Buren, der mit Streifen Räume bewusst macht, während Beutler Räume in die Architektur hineinbaut, um die Situation im Museum zu reflektieren.

Interessanter als die Thematisierung der Architektur und die Betonung der Oberlichter der Kunsthalle ist der Prozess selbst: Die sonderbaren Maschinen, mit denen die Papiere gefärbt, geschnitten und geklebt wurden, bleiben während der Ausstellung zu sehen. Wie in einer Manufaktur erinnern sie an das Handwerkliche der Kunstproduktion und geben eine Ahnung davon, wie eine Ausstellung überhaupt entsteht. Statt vollendete Artefakte im White cube zu präsentieren, ist die Kunsthalle nun sympathisch nüchtern zur Produktionsstätte geworden. Keine zwei Wochen werden Beutlers Pavillons zu sehen sein, bereits am 21. April wird Kalin Lindena seine Nachfolge antreten. Von Michael Beutler bleibt aber ein Raum erhalten, wie von den auf ihn folgenden Künstlern auch. Pech für Henning Bohl, den letzten der sieben Künstler von "7 x 14": Er wird entsprechend nur vier Räume zur Verfügung haben.

"7 x 14 Jubiläumsausstellung: Michael Beutler"

Termin: bis 19. April, Kunsthalle Baden-Baden
http://www.kunsthalle-baden-baden.de/02ausstell/02aus1_0.html

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